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Fahrpersonal der Postautounternehmen hat genug von der Diskriminierung durch die PostAuto AG

Am Sonntagnachmittag haben rund 200 Personen auf dem Bundesplatz zusammen mit syndicom gegen das Zweiklassensystem für das Postauto-Fahrpersonal protestiert. Die Teilnehmenden, die aus der ganzen Schweiz in gelben Bussen angereist waren, verlangten für das Personal der privaten Postautounternehmen die gleichen Lohn- und Anstellungsbedingungen wie für das Personal der Regiebetriebe der Schweizerischen Post. PostAuto-Chef Daniel Landolf dürfe die berechtigten Forderungen nicht länger aussitzen, monierten die betroffenen FahrerInnen zudem und deponierten symbolisch einen Stuhl vor der Schönburg, dem Hauptsitz der Post.

© Susanne Oehler

Bilder (von Susanne Oehler und Bruno Schmucki)


Als am Sonntagnachmittag um 13.30 Uhr die sieben Postautos mit den rund 200 Teilnehmenden der Kundgebung auf dem Bundesplatz eintrafen, sah zuerst alles nach einem gemütlichen Sonntagsausflug aus. Doch bereits mit dem ersten Redner, der ans Mikrofon trat, änderte sich die Stimmung schlagartig. «Ich bin heute nicht hier in Bern, weil mir meine Arbeit nicht passt. Nein! Ich bin hier, weil mir meine Arbeit gefällt. Ich bin hier, weil ich gegen meine Ungleichbehandlung protestiere», sagte der jurassische Postautofahrer Jean Maraldi. Seine Kollegin Lisa Matti aus der Region Bern doppelte nach, indem sie auf krasse Lohndifferenzen von mehreren Tausend Franken zwischen den Angestellten der PostAuto AG und von privaten Postautounternehmen hinwies: «Gleicher Lohn für gleiche Arbeit gilt nicht für die Fahrerinnen und Fahrer von Postautos. Dieser Lohnunterschied lässt sich nicht erklären. Und rechtfertigen lässt er sich schon gar nicht.»
 
Gleiche Anstellungsbedingungen und ein GAV für alle
Die Post solle jetzt beweisen, dass sie eine soziale Arbeitgeberin sei, betonte Reto Rosselli, der mit einer Gruppe von Chauffeuren extra aus dem Tessin angereist war. «Es geht nicht an, dass die PostAuto AG konzessionierte Linien unter dem Postauto-Label an Subunternehmer vergibt und von diesen vertraglich verlangt, dass sie ihr Fahrpersonal schlechterstellen als das Fahrpersonal der Regie», so Rosselli. Die Fahrerinnen und Fahrer forderten deshalb zusammen mit der Gewerkschaft syndicom die Gleichbehandlung des Personals. Der aktuelle Gesamtarbeitsvertrag (GAV) solle für alle gelten und das diskriminierende Personalreglement per sofort ablösen.
 
PostAuto-Chef hat taube Ohren und viel Sitzfleisch

Die Botschaft des Fahrpersonals ist für die Verantwortlichen bei PostAuto nicht neu. In einer Petition hatten mehr als 800 Betroffene bereits im letzten Sommer auf das Problem hingewiesen. Sogar in einem offenen Brief, den über 1000 Fahrgäste unterzeichnet hatten, wurde die sofortige Angleichung der Lohn- und Arbeitsbedingungen verlangt. Bis anhin hat PostAuto-Chef Daniel Landolf auf das Anliegen aber nicht reagiert. Kein Wunder, platzte dem Bündner Postauto-Chauffeur Sepp Casanova langsam der Kragen: «Handeln Sie jetzt, Herr Landolf. Sitzen Sie die berechtigten Forderungen des Fahrpersonals der Postautounternehmer nicht aus! Wir meinen es ernst und wir lassen nicht locker.» Anschliessend an die Kundgebung reisten die Teilnehmenden zum Hauptsitz der Post bei der Berner Schönburg. Sie deponierten dort symbolisch einen Stuhl vor dem Gebäude. «Wenn der Landolf schon nichts hört, dann sieht er vielleicht etwas», kommentierte ein Fahrer die Aktion.

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