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Immer noch kein Sozialplan für die 41 Entlassenen von Le Matin!

Die 41 entlassenen Mitarbeitenden der Westschweizer Tageszeitung Le Matin haben gestern vor dem Edipresse Tower in Lausanne protestiert. Sie fordern vom Tamedia-Verlag einen Sozialplan, der diesen Namen verdient.

Offener Brief

«Immer noch kein Sozialplan für die 41 Entlassenen von Le Matin!

Fünf Monate, eine Woche und ein Tag. Heute sind es fünf Monate, eine Woche und ein Tag, seit wir –Angestellte von Le Matin – von unserer bevorstehenden Kündigung erfahren haben. Fünf Monate, eine Woche und ein Tag, seitdem Tamedia 41 Mitarbeitende in eine mehr als ungewisse Zukunft getrieben hat. Ungewissheit herrschte an diesem traurigen 7. Juni, an dem das Ende der beliebtesten Bezahl-Tageszeitung der Romandie bekanntgegeben wurde. Und Ungewissheit herrscht auch heute noch, am 15. November. Und weshalb? Weil der Zürcher Verleger seinen gesetzlichen, sozialen und moralischen Verpflichtungen zum Trotz bis heute – fünf Monate, eine Woche und ein Tag, nachdem eine seit 125 Jahren bestehende Zeitung und 41 Angestellte von der Landkarte getilgt wurden – seinen Angestellten noch immer keinen angemessenen Sozialplan angeboten hat.

Während zwei, zehn, zwanzig, dreissig oder mehr Jahren, von Morgen bis Abend, am Wochenende und an Feiertagen, haben wir, SekretärInnen, GrafikerInnen, LayouterInnen, FotografInnen, RechercheurInnen oder JournalistInnen von Le Matin, unsere Professionalität, Energie und Begeisterung für die von uns heiss geliebte Zeitung gegeben, die 365 Tage pro Jahr erschien. Nicht genug für den Zürcher Verleger: Er hat beschlossen, dass in der Westschweizer Medienlandschaft kein Platz mehr für Le Matin ist. Aber was hat Tamedia seit diesem brutalen Ende für seine entlassenen Angestellten getan? Nichts wirklich.

Im Juni gab es eine Scheinkonsultation, bei der die Angestellten von Le Matin mit Unterstützung der übrigen Tamedia-Redaktionen versuchten, ihren Titel oder zumindest einige Arbeitsplätze zu retten. Vergeblich: Die Ergebnisse wochenlanger harter Arbeit wurden von Serge Reymond, Leiter Bereich Bezahlmedien, einfach vom Tisch gefegt. Alle vorgeschlagenen Alternativmassnahmen zur Rettung von Arbeitsplätzen in den Westschweizer Printmedien wurden zurückgewiesen.

Dann kam die Mediation auf Initiative der Staatsräte der Kantone Waadt und Genf. Wir haben diese Vermittlung angenommen in der Hoffnung, eine Lösung für den Konflikt zu finden. Heute aber ist klar, dass Tamedia auf die Mediation nur eingegangen ist, um dem historischen Streik der Redaktionen ein Ende zu bereiten. Ergebnis: Ein Arbeitgeber, der die Tür der Mediation einseitig zuschlägt und dabei den Waadtländer Staatsrat demütigt, nachdem er das schon mit seinen Angestellten getan hat.

Dritter Akt dieser misslichen Situation: Die «Verhandlungen» für einen Sozialplan. Anführungszeichen deshalb, weil es sich bei den Sitzungen mit der Tamedia-Geschäftsleitung nur der Bezeichnung nach um Verhandlungen handelte. Obwohl die Delegation der Angestellten einen Sozialplan vorgeschlagen hatte, der es den 41 Entlassenen von Le Matin hätte ermöglichen sollen, in einem schwierigen beruflichen Umfeld wieder Arbeit zu finden, und dessen Massnahmen durchaus branchenüblich waren, beharrte der Zürcher Verleger auf seiner harten und kompromisslosen Haltung. Er schlug dieselben Begleitmassnahmen vor wie bei der letzten Massenentlassung 2016, obschon vom Aus für Le Matin doppelt so viele Personen betroffen und seither in einer überaus komplizierten Medienlandschaft zwei Pressetitel verschwunden sind. Und obwohl die Personaldelegation ihre eigenen Forderungen mehrmals angepasst hat, machte Tamedia – über Serge Reymond – nicht auch nur das geringste Zugeständnis.

Wie steht es also fünf Monate, eine Woche und ein Tag nach der Ankündigung des Stellenabbaus um die 41 Entlassenen von Le Matin? Nicht so gut. Die meisten von uns sind arbeitslos. Ohne jeglichen Sozialplan und ohne die geringste Vorstellung über die Mittel, mit denen wir für unsere Rückkehr in den Arbeitsmarkt rechnen können. Verlorene Zeit! Monate, in denen wir uns hätten weiterbilden und neu orientieren können.

Nach den Entlassungen hatte Serge Reymond erklärt, der Sozialplan, der den Entlassenen von Le Matin beim Neuanfang helfen sollte, habe erste Priorität. Wir, Angestellte von Le Matin, fordern ihn nun auf, seine geheuchelte Anteilnahme an unserer beruflichen Zukunft für sich zu behalten und seiner sozialen und gesetzlichen Verantwortung nachzukommen, damit wir eine solche haben.»

Die 41 Entlassenen von Le Matin

PS. Zwei Zahlen: 2017 erzielte Tamedia einen Umsatz von 974,2 Millionen und einen Reingewinn von 170,2 Millionen.

Facebook «Les 41 du Matin» – Twitter @41Matin – Instagram @les_41_du_matin

(Übersetzung: Susanne Alpiger)

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