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Ringier im Lohngleichheitsdialog

Die Ringier Print Adligenswil AG hat sich als erstes Unternehmen in der Druckbranche bereit erklärt, die Löhne bei Frauen und Männern nach dem Grundsatz der Lohngleichheit zu überprüfen. syndicom konnte dies am 14. Juni, dem Jahrestag des Frauenstreiks, bekannt geben.

Wir freuen uns: Die Ringier Print Adligenswil AG geht als gutes Vorbild voran. Denn es handelt sich um die erste Vereinbarung dieser Art in der von syndicom vertretenen grafischen Industrie. Demnach verpflichtet sich die Firma, die Löhne zu überprüfen und die Lohndifferenzen zwischen Frauen und Männern innert vier Jahren zu beseitigen – für die Branche, für syndicom und für die Gleichstellung eine Vereinbarung von grosser Bedeutung. In der Druckbranche liegt die Lohndifferenz zwischen Männern und Frauen mit 23,5 Prozent deutlich über dem schweizerischen Durchschnitt. Nur die Hälfte dieser Lohndifferenz lässt sich auf Rahmenbedingungen wie Ausbildung, Funktion und Berufserfahrung zurückführen, die andere Hälfte der Lohndifferenz basiert auf reiner Diskriminierung. Beim Lohngleichheitsdialog handelt es sich um ein freiwilliges, partnerschaftliches Projekt der Sozialpartner und des Bundes.


Alle Schweizer Unternehmen können am Lohngleichheitsdialog teilnehmen. Zu den 23, die bereits beigetreten sind, gehören unter anderem die Post, Cablecom, Swisscom, SBB, die Verwaltungen von Stadt und Kanton Bern, der VCS.

Ringier Print Adligenswil beschäftigt 261 Mitarbeitende, davon 74 Frauen, diese machen also knapp einen Drittel der Belegschaft aus. In Adligenswil werden nicht nur Printprodukte von Ringier hergestellt. Zu den Auftraggebern gehören auch die Gewerkschaften syndicom und Unia, die ihre Zeitungen dort drucken lassen. Die Rolle von syndicom als Kundin dürfte bei den Gesprächen zum Lohngleichheitsdialog mitgespielt haben. Nach Angaben von syndicom-Geschäftsleitungsmitglied Giorgio Pardini ebneten vor allem die langjährige Beziehung der Gewerkschaft (früher comedia, heute syndicom) zur dortigen Betriebskommission und eine Atmosphäre des Vertrauens den Weg zu dieser Vereinbarung. «Dieses Fundament vereinfachte die Verhandlungen», sagt Pardini und wird dabei von Hansruedi Jossi, dem Präsidenten der dortigen Personalkommission, bestätigt.

Das Unternehmen und die Personalkommission werden paritätisch die Löhne überprüfen und Transparenz in die Lohnliste bringen. Lohndifferenzen werden zwangsläufig dort übrig bleiben, wo Berufserfahrung, Ausbildung und Position im Betrieb die Lohnhöhe definieren. Frauen arbeiten oft in anderen Bereichen als Männer. Insbesondere die Spedition mit Angelernten ist in Frauenhänden, dies oft im Stundenlohn. An den Druckmaschinen wiederum arbeiten fast ausschliesslich Männer mit entsprechend höherer Qualifikation und Vollzeitstellen (auch Druckhilfsarbeiter haben höhere Löhne als die Leute in der Spedition). Dies erschwert oft den genauen Lohnvergleich.


Vier Jahre zur Umsetzung

Im Lohngleichheitsdialog sehen weder syndicom noch Ringier eine Konkurrenz zum GAV, sondern eine Ergänzung. Der GAV der grafischen Industrie legt Mindestlöhne fest, auf denen der Lohngleichheitsdialog aufbauen und für Transparenz sorgen soll. Nach Angaben der Verantwortlichen für Human Resources, Monika Häfliger, will sich die Ringier Print um Offenlegung in Bezug auf gleiche Löhne für gleichwertige Arbeit bei Männern und Frauen bemühen. Innert vier Jahren muss Ringier Massnahmen zur Beseitigung allfälliger Ungleichheiten umsetzen.

Die Geschäftsleitung stehe hinter dieser lohnpolitischen Entwicklung und erhoffe sich auch einen positiven Image-Effekt, heisst es. Weder Jossi noch Häfliger rechnen mit grossen Überraschungen. Die Differenzen von Männer- und Frauenlöhnen lägen in Adligenswil schon heute deutlich tiefer als im Branchendurchschnitt. Häfliger hat ein «gutes Gefühl» bei der Umsetzung der Massnahmen. Im August sollen die Löhne erfasst und ausgewertet werden. «Realistischerweise» wolle ein Unternehmen solche Verbesserungen kostenneutral durchführen und andere Personalkosten einsparen, bestätigt Häfliger: «Wir haben gewisse Löhne eingefroren.»

Das ist natürlich weniger im Sinne der Gewerkschaften, die die Lohngleichheit nicht über eine Senkung der Männerlöhne, sondern mit einer Erhöhung der Frauenlöhne erreichen wollen. syndicom bemüht sich nun um Nachahmer. Doch täuschen wir uns nicht: Die Ringier Print Adligenswil nimmt mit ihrem Bekenntnis zu Transparenz und Lohngleichheit die Rolle einer Vorreiterin ein. Bei anderen Firmen wird erfahrungsgemäss (siehe die Kommentare unten) deutlich mehr Überzeugungskraft und Ausdauer nötig sein, um sie vom positiven Effekt des Lohngleichheitsdialogs zu überzeugen.


Hannah Einhaus, Journalistin BR

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