6 Fragen an

Christian Schutter


1. Worin seht ihr die Vorteile eines Gesamtarbeitsvertrags?

Gut wäre die Allgemeinverbindlichkeit. Oder zumindest mehr Druck auf Firmen, die sich Vorteile verschaffen, indem sie gesetzlichen Graubereiche bei den Arbeitsbedingungen ihres Personals nutzen. Der GAV ist ein Teil des grossen Ganzen, das sich aus Politik, Gesetz, Marktentwicklung usw. zusammensetzt. Zusammen mit branchenübergreifenden Massnahmen in all diesen Bereichen kann ein GAV zu einem fairen Wettbewerb beitragen.


2. Wie einigt ihr euch im Konfliktfall mit den Mitarbeitenden?

So, wie unser Unternehmen organisiert ist, müssen die Beteiligten ein lösungsorientiertes Verhalten zeigen, anderenfalls ist die Situation für alle sehr belastend und schadet dem Gesamtbetrieb. Unzufriedenheit braucht Kanäle, um produktiv zu sein und nicht in Stagnation und Genörgel abzudriften. Viel Kommunikation und Transparenz tragen zum nötigen Bewusstsein bei. Sie sind wohl mit ein Grund für den Erfolg von Velo­blitz in den letzten Jahren.
 

3. Gibt es im Betrieb eine Personal­kommission?

Bei uns ist das Personal auf ganz unterschiedlichen Ebenen in die Betriebsführung eingebunden – nicht nur in einer Personalkommis­sion. Rund die Hälfte der Angestellten sind Mitglieder der Genossenschaft und damit Mitbesitzende des Unternehmens. Es gibt regelmässige Belegschaftssitzungen, damit sich Mitarbeitende, Geschäftsleitung und Verwaltung austauschen können. Und wir haben auch eine paritätische Personalvorsorgekommission.
 

4. Wie bewertet ihr das Lohnniveau in der Branche?

Die Anforderungen an Fahrrad­kuriere sind sehr unterschiedlich und damit auch die Löhne. Beim Lieferdienst für Restaurants stehen wir oft in Konkurrenz zu Pizzakurieren. Der Druck ist dort stark, mir sind Firmen bekannt, die Stundenlöhne unter Franken bezahlen. Unter den Fahrradkurierfirmen ist der Veloblitz bezüglich Lohn und Arbeitsbedingungen kaum zu überbieten. Geht es um kompliziertere logistische Aufgaben, haben wir Leute im Betrieb, die Stundenlöhne von mehr als 40 Franken erreichen.
 

5. Wie hoch ist der Frauenanteil im Betrieb und weshalb?

Bei den Kurieren haben wir ein Verhältnis von 1:15. An den Perso­nalentscheiden liegt das definitiv nicht – wir bekommen einfach viel seltener Bewerbungen von Frauen. Die Meinung, Fahrradkuriere müssten einfach mit einer Sendung von Kunde zu Kunde bolzen, ist weit verbreitet. Da hätten Männer even­tuell physische Vorteile. Sie stimmt aber überhaupt nicht – es geht vielmehr um eine sehr ausgeklügelte Logistik.
 

6. Was regt euch an den Gewerk­schaften richtig auf?

Manchmal scheint es, als hätten sie sich noch nicht an die Gegebenheiten der aktuellen, temporeichen Zeit angepasst. Aus meiner Position, als Geschäftsführer eines per Definition sehr schnellen und flexiblen Betriebs, ist es schwierig, wenn sich Gewerkschaften an den vergangenen Zeiten ausrichten.

 


Interview: Sina Bühler
Bild: Tom Kawara

 

Christian Schutter (32) ist gelernter Geigenbauer und Geschäftsleitungsmitglied bei der Genossenschaft Veloblitz Zürich. Er hat an den Verhandlungen für den neuen Gesamtarbeits-vertrag der Velokuriere mit syndicom teilgenommen.

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