Interview mit Reda Rezzouk

«Der Druck lastet auf dem einfachen Angestellten»

Als Zusteller bei PostMail gibt Reda Rezzouk Einblick in seinen Arbeitsalltag. Er stellt fest, dass PostMail auf dem letzten Zacken läuft und erzählt im Interview, was das für ihn und seine Arbeitskolleg*innen bedeutet.

Wie sieht deine Arbeitswoche als Briefträger aus?

Reda Rezzouk: Mit meinem Teilzeit-Pensum von 85 Prozent arbeite ich Montag bis Freitag, meistens von 06.00 – 13.00 Uhr. Samstagseinsätze sind an zwei Samstagen pro Monat vorgesehen. Doch kommt es regelmässig vor, dass ich drei bis vier Samstage in Folge durcharbeite. Das ist unschön, da werden wir Teilzeit-Angestellten systematisch ausgenutzt. Kommt hinzu: Ein fixer freier Tag ist undenkbar, das steht gar nicht erst zur Diskussion.

Wie hat sich deine Arbeit verändert?

Als ich vor 10 Jahren anfing, da waren wir über 20 Angestellte auf 28 kleinere Touren aufgeteilt. Heute sind wir noch 15 Personen, die Hälfte davon arbeitet Teilzeit. Wir teilen uns 13 Touren, die vergrössert wurden. Prozesse wurden automatisiert beziehungsweise digitalisiert. Unsere Arbeit wurde gestrafft und generalisiert. Wir sind ein gemischter Laden, Briefe und Pakete, jeder macht alles, auch die Teamleader – sei es die Zustellung, die Postfächer oder beispielsweise die PickPost-Automaten. Das macht meine Arbeit zwar abwechslungsreich und interessant, aber ich muss flexibel bleiben.

Wie flexibel musst du sein?

Wir kennen die Zustellmengen nicht im Voraus, das ist klar, das verstehe ich. Auch wenn es natürlich Regelmässigkeiten gibt. Ist weniger Arbeit da, kommt es schon mal vor, dass mich mein Vorgesetzter eine Stunde früher nach Hause schickt. Fällt ein*e Arbeitskolleg*in krankheitshalber aus, gibt’s keinen Puffer– da werden sofort „Teilzeitler*innen“ aufgeboten. Oder wir machen Überzeit, arbeiten unter Druck und arbeiten schneller. Doch dieses Tempo kannst du nicht jeden Tag aufrecht erhalten, dieser Stress schlägt auf die Gesundheit. Dann ist da die Überzeit-Situation.

Was meinst du damit?

Die Teilzeitler*innen schieben exzessiv Überzeit vor sich hin, auch ich. Seit mehr als sechs Monaten bin ich über dem Maximum, was ich eigentlich als Überzeit aufschreiben dürfte. Die Ferien nimmst du im Sommer, wenn die Zustellmengen kleiner sind. Aber wir sitzen im selben Boot, die Solidarität unter den Arbeitskolleg*innen ist gross. Doch das wird ausgenutzt, und zwar in einem Masse, wie es nicht sein sollte. Ich möchte betonen, an unseren direkten Vorgesetzten liegt das nicht – sie tun ihr Bestes und arbeiten mit dem, was ihnen zugestanden wird. Das Problem liegt bei den höheren Etagen.

Was wünschst du dir?

Die Postverantwortlichen machen es sich zu einfach. Sie geben den Druck weiter, auf die untersten Stufen. Wir müssen das ausbaden. Klar, die Briefmengen sind seit Jahren rückläufig – ich verstehe, dass sie unternehmerisch unter Druck sind. Aber wer von uns derart Flexibilität verlangt, der soll erstens anständige Löhne bezahlen, und zweitens fordere ich eine Kompensation für meine Flexibilität.


Matthias Loosli / 26.11.19

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