Tag der Freien 2018

Freie sollen sich vermehrt zusammenschliessen

SDA-Abbau, No Billag und der Druck auf die Nutzungsrechte zeigen, wie dramatisch die Schweizer Medienwelt im Umbruch ist. Der diesjährige Tag der Freien machte Mut, zeigte hoffnungsvolle Ansätze und verdeutlichte, wie wichtig es ist, dass sich freie Medienschaffende zusammenschliessen.

Pieter Poldervaart

Sind die freien JournalistInnen aus Sicht der Verlage nun Manövriermasse, lästige Kostenstelle oder unverzichtbare Fachleute? Klar ist, dass die Entwicklungen der letzten paar Monate und Jahre in der Schweizer Medienwelt zeigen, dass der Druck auch auf Freie steigt. Der angekündigte, brutale Abbau bei der SDA, die Diskussionen um die No Billag-Initiative, die Forderung auf den Verzicht auf die Nutzungsrechte oder die Fusion des Mantelteils bei den NZZ-Regionalblättern mit der AZ macht die Arbeit als freie Journalistin oder freier Fotograf prekär. «Die Antwort der Freien muss sein, sich zusammenzuschliessen, selbst Standards zu setzen und Informationen auszutauschen», erklärte Stephanie Vonarburg, syndicom-Vizepräsidentin sowie Leiterin Sektor Presse und elektronische Medien, am diesjährigen Tag der Freien vom 10. März in Zürich. 50 freie Medienschaffenden nutzten die inzwischen traditionsreiche Plattform, um das gemeinsame Vorgehen zu diskutieren und sich auszutauschen.

«Verbündet euch!»

Als Kollege, der vom Angestellten und Teilzeit-Freien zum Chef geworden ist, hielt Republik-Co-Gründer Christof Moser das Einstiegsreferat. In seinen sieben Jahren bei der «Schweiz am Sonntag» habe er selbst erlebt, wie kontinuierlich die Honorare der Freien gekürzt wurden und Qualitätsstandards erodierten, wenn etwa die SDA gekündigt und stattdessen Kurzmeldungen von Konkurrenz-Plattformen abgetippt wurden. Das Blatt existiert heute nicht mehr, ganz anders als die «Republik», die sich als Senkrechtstarterin entpuppte. «Statt auf News und Primeurs um jeden Preis setzen wir auf überraschende Hintergründe» – was laut Moser bereits zu Reaktionen bei «Tages-Anzeiger» und «NZZ» geführt habe, die eine «Schwerpunktseite 3» respektive einen NZZ-Leserrat eingeführt hätten. «Natürlich ist unser Einfluss auf die Schweizer Medienlandschaft klein», räumte Moser ein. Doch man zeige, dass anderer Journalismus möglich sei – auch was die Fairness angehe. So zahle man Freien umgerechnet denselben Tagesansatz wie der «Republik»-Einheitslohn der Festangestellten. Wer als Freier Existenzängste habe, sei damit übrigens nicht allein, erklärte Moser: «In den meisten Redaktionen wird seit zehn Jahren gebibbert, wen die nächste Abbau- oder Fusionsrunde trifft.» Das hindere einige RedaktorInnen nicht daran, sich selbst gegenüber den freien JournalistInnen als LohndrückerInnen zu gebärden. Als Gegenstrategie empfahl er den Freien, sich nicht zu stark mit «ihren» Medien zu identifizieren, sondern sich vielmehr untereinander zu verbünden und gemeinsam für umfassende Rechte an Text und Bild sowie für akzeptable Honorare zu kämpfen.

Dienstleistungen und Austausch

Eine Hilfestellung dafür liefert unter anderem das syndicom-Merkblatt Infrastruktur- und Digitalpauschale, das eben neu aufgelegt worden ist. Hilfreich für die Arbeit wäre ebenfalls, wenn die nach 13 Jahren endlich wieder aufgenommenen GAV-Vertragsverhandlungen erfolgreich weitergeführt und zu einem befriedigenden Abschluss gebracht würden. Im Rahmen von vier Meeting Points erhielten die Teilnehmenden ausserdem Inputs zu ihrer täglichen Arbeit, von Karen Schärer (Chefredaktorin «wir eltern»), Barbara Saladin (Autorin und freie Journalistin), Samuel Schmidt (Filmemacher und Fotograf) und Christof Schütz (Fotograf, Visueller Gestalter und Kleinverleger).

Der Tag der Freien wurde zum 16. Mal von der Freien-Kommission (FreKo) der Gewerkschaft syndicom organisiert. Die in der FreKo organisierten Journalistinnen und Fotografen nehmen zusammen mit den GewerkschaftssekretärInnen der Branche Presse und elektronische Medien und ihrem Vorstand die Interessensvertretung der freien Medienschaffenden wahr. Gut 40 Prozent der 2000 JournalistInnen bei syndicom sind ganz oder teilweise freischaffend.

Informiert bleiben

Persönlich, rasch und direkt

Sie wollen wissen, wofür wir uns engagieren? Abonnieren Sie unseren Newsletter! Bei persönlichen Anliegen helfen Ihnen unsere RegionalsekretärInnen gerne weiter.

syndicom in deiner Nähe

In den Regionalsekretariaten findest du kompetente Beratung & Unterstützung

Newsletter abonnieren