Tag der Freien 2016

Arbeitsbedingungen verbessern heisst auch, über Honorare zu reden

Am diesjährigen «Tag der Freien» trafen sich am 3. September gut 60 Medienschaffende in Zürich, um sich über das Arbeiten als FreelancerInnen zu unterhalten.

Provokative Betrachtungen über die Schweizer Medien und den Platz der Freischaffenden darin waren im Einstiegsreferat von Markus Wiegand (ehemaliger Chefredaktor «Schweizer Journalist», heute «KressPro») zu hören. Sein Titel: «Arm, aber sexy – Wie man als freier Journalist oder freie Journalistin garantiert nicht glücklich wird». Die Quintessenz seiner Ausführungen lässt sich herunterbrechen auf: Freie JournalistInnen müssen lernen, Honorare zu verlangen, Honorare zu verhandeln und schlechtbezahlte Aufträge abzulehnen – unsere Lebensspanne ist zu kurz und unsere Arbeit zu wertvoll, um sie zu Dumpinglöhnen zu verschachern.

Über die Situation der freien JournalistInnen in Österreich berichtete Judith Reitstätter, die in der Gewerkschaft der Privat-Angestellten GPA für die Medienbranche zuständig ist. Ausserdem gab Roger Schnyder Einblicke in das öffentliche Beschaffungswesen unter www.simap.ch. In vier Workshops gaben daraufhin Daniel Puntas Bernet («Reportagen»), Christian Degen («Tageswoche»), Fabian Biaso (Fotograf) und die Erwachsenenbildnerin Sibylle Jaeger Tipps für den erfolgreichen Arbeitsalltag.

GAV auch für die freien Medienschaffenden
Die Einkommenssituation der Freien hat sich in den 12 Jahren seit der Kündigung des Gesamtarbeitsvertrags GAV drastisch verschlechtert. Honorardumping, Urheberrechtsklau und Probleme bei der sozialen Absicherung machen ihnen zu schaffen. Dabei könnten viele Publikationen ohne ihren fachkundigen Beitrag und ihre flexiblen Einsatz gar nicht mehr erscheinen. Die online-Umfrage auf www.mediengav.ch zeigt, dass über 95% der Teilnehmenden verlangen, dass im GAV Mindesthonorare geregelt werden sollen, wobei sie sich am Niveau der bestehenden Regelung im Westschweizer GAV am Tageshonorar von mindestens 560.- Franken orientieren. Bei Handwerkern sind die KundInnen ebenfalls bereit, für tadellose Arbeit anständige Ansätze zu bezahlen. Dies verlangen die Freischaffenden zusammen mit ihrer Interessensvertretung und der Mediengewerkschaft syndicom auch vom Verlegerverband Schweizer Medien.

Die Veranstaltung «Tag der Freien» wird alljährlich von der Freien-Kommission (FreKo) der Gewerkschaft syndicom organisiert. In der FreKo engagieren sich aktuell sieben Journalistinnen und Fotografen. Sie nehmen zusammen mit den GewerkschaftssekretärInnen der Branche Presse und elektronische Medien und ihrem Vorstand die Interessensvertretung der freien Medienschaffenden wahr. Gut 40% der 2000 JournalistInnen bei syndicom sind freischaffend oder teilweise frei und teilweise festangestellt.

Nina Scheu

Bilder: Sabine Rock

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