Mit einer halben SRG verlieren wir eine ganze Generation
Es droht eine Zeitenwende: Bei einem Ja zur Halbierungsinitiative würde seriöser Journalismus dort verschwinden, wo junge Menschen ihn heute hauptsächlich konsumieren – auf Plattformen wie Instagram, Tiktok, Youtube und Play SRF.
Text: Juan Riande
Oft wird behauptet, Jugendliche seien medienfern oder sogar «News-depriviert». Interne Auswertungen der SRG widersprechen dem jedoch. Über die Hälfte der Nutzerinnen und Nutzer ihrer Beiträge auf Social Media sind jünger als 35 Jahre. Die jüngste Zielgruppe nutzt journalistische Inhalte also sehr wohl, zumindest wenn man sie dort erreicht, wo sie sich aufhält.

Die Westschweiz zeigt, wies geht
Besonders erfolgreich gelingt dies dem Westschweizer Radio und Fernsehen RTS. Laut der zuständigen Medienstelle erreicht RTS über alle Kanäle hinweg jede Woche zwei von drei jungen Menschen in der Westschweiz im Alter zwischen 15 und 34 Jahren. Mit rund 620 000 Followern auf Tiktok und 490 000 auf Instagram verzeichnet RTS zudem schweizweite Spitzenwerte. Gefolgt von SRF mit rund 430 000 Followern auf Instagram und 180 000 auf Tiktok.
Darüber, ob die SRG diese riesige Follower:innenschaft nach einer Annahme der Halbierungsinitiative noch mit Inhalten versorgen kann, herrscht Uneinigkeit. Das Komitee hinter der Initiative ist überzeugt, die SRG könne ihren Informationsauftrag weiterhin wahrnehmen – auch auf ihren Online- Kanälen und in den Sozialen Medien.
Dem widerspricht die SRG fundamental. Bei einem «Ja» zur Initiative könne sie ihr heutiges Onlineangebot nicht weiterführen, heisst es in einer Stellungnahme gegenüber syndicom. Die SRG geht davon aus, dass aus der Abgabe finanzierte Inhalte explizit nur noch für lineare Programme produziert werden dürften. Diese Einschätzung teilt auch der Bundesrat.
Das Ende des digitalen Service public?
Für ein Weiterbestehen ihres Onlineauftritts müsste die SRG folglich anderweitig Gelder auftreiben. Doch genau hier liegt das Problem: Die kommerziellen Einnahmen der SRG sind seit Jahren rückläufig und machen aktuell noch rund 20 Prozent des Gesamtbudgets aus. Damit lässt sich kein professionelles digitales Angebot in vier Sprachen finanzieren.
Hinzu kämen Probleme bei der Umsetzung: Eine scharfe Trennung zwischen Digital und Linear ist nicht vereinbar mit der Art und Weise, wie heute Medieninhalte produziert werden. Darüber hinaus darf die SRG weder auf ihren Radiosendern noch auf den digitalen Plattformen Werbung vermarkten.
Auf Verlangen der Initiative soll die SRG also ausgerechnet dort sparen, wo sie heute das grösste und vor allem jüngste Publikum erreicht: Im Netz. Dabei gilt: Ein Service public, der junge Menschen nicht mehr erreicht, erfüllt seinen Auftrag nicht.