Künstliche Intelligenz am Arbeitsplatz: Position und Forderungen von syndicom
Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt tiefgreifend. Damit dieser Wandel sozial und verantwortungsvoll gestaltet wird, fordert syndicom klare Regeln, echte Mitbestimmung, Weiterbildung und einen wirksamen Schutz der Arbeitnehmenden – auch vor Jobverlust.
Künstliche Intelligenz (KI oder AI) ist in aller Munde: Sprachmodelle wie ChatGPT, Copilot oder Claude werden zunehmend auch am Arbeitsplatz eingesetzt. Sie verändern den Arbeitsalltag, können Tätigkeiten unterstützen und können möglicherweise zum Verlust von Arbeitsplätzen führen.
Auch andere Systeme werden bereits am Arbeitsplatz eingesetzt. Sie können Muster erkennen und die Entscheidfindung unterstützen oder gar autonom entscheiden. Kritisch ist ihr Einsatz, wenn sie zur Überwachung von Mitarbeitenden eingesetzt wird oder aufgrund möglicher Biases schlechte oder gar diskriminierende Entscheide fällt.
Wie verändert KI die Arbeit in der Schweiz?
syndicom hat im Sommer 2026 eine Studie durchführen lassen. Alle Ergebnisse findest du hier.
Was fordert syndicom beim Einsatz von KI am Arbeitsplatz?
syndicom setzt sich für einen sozial, rechtlich und ökologisch verantwortungsvollen Einsatz von KI ein.
Dabei sind für syndicom besonders folgende Punkte zentral:
Schutz von Arbeitsplätzen
syndicom schaut kritisch hin, wenn Stellen abgebaut werden. KI soll den Menschen dienen und ihre Arbeit unterstützen – nicht ihre Arbeitsplätze vernichten. Die Arbeitgeber müssen ihre soziale Verantwortung wahrnehmen, Beschäftigungssicherheit gewährleisten und in die Arbeitsmarktfähigkeit ihrer Mitarbeitenden investieren.
syndicom fordert deshalb ein Recht auf Aus- und Weiterbildung. Dafür sollen die Arbeitgeber ausreichend Arbeitszeit und finanzielle Mittel zur Verfügung stellen.
Sind Entlassungen aufgrund des technologischen Fortschritts unumgänglich, müssen Sozialpläne Massnahmen vorsehen, die Betroffene absichern und ihre berufliche Neuorientierung unterstützen.
KI im Medienbereich
Medien sind mehr als News. Kritisches Denken, Nachfragen, Empathie und Einordnen sind die Kernaufgaben von Journalist:innen und zeichnen Qualitätsjournalismus aus. Diese Aufgaben dürfen nicht an KI-Modelle ausgelagert werden. Sie sichern die gemeinsame Wissensgrundlage und das Vertrauen in die demokratischen Institutionen. Eine Auslagerung von journalistischen Tätigkeiten schadet dem Vertrauen.
syndicom setzt sich für einen verantwortungsvollen Umgang mit KI im Medienbereich ein und wehrt sich gegen Massenentlassungen und Abbau von Arbeitsplätzen durch KI.
Mitbestimmung und Mitsprache
Bei der Einführung von KI am Arbeitsplatz sollten die Angestellten frühzeitig einbezogen werden.
syndicom fordert verbindliche Mitbestimmungsrechte, damit KI-Systeme nicht über die Köpfe der Beschäftigten hinweg eingeführt werden. Zentral ist der Einbezug der Personalvertretung. Gemeinsam mit AlgorithmWatch haben wir untersucht, welche rechtliche Lücken bestehen und was Personalvertretungen jetzt wissen müssen.
Gute Arbeit
Technologische Produktivitätsgewinne müssen allen zugutekommen. Zum Beispiel mit höheren Löhnen, kürzerer Arbeitszeit und besseren Arbeitsbedingungen. Sie dürfen nicht einseitig zum Abbau von Stellen oder Verschlechterung von Arbeitsbedingungen führen.
Datenschutz und Persönlichkeitsrechte
Der Einsatz von KI darf nicht zu verstärkter Überwachung am Arbeitsplatz oder zum Aushöhlen von Persönlichkeitsrechten führen. syndicom sieht es zudem kritisch, wenn persönliche Daten von Arbeitnehmenden für das Training von KI-Modellen verwendet werden.
Wir verlangen strenge Vorgaben zum Schutz der Privatsphäre der Beschäftigten. Insbesondere bei KI-gestützten Auswertungen von Mitarbeitendendaten (etwa zur Leistungskontrolle) braucht es klare Grenzen und Mitsprache.
KI-Systeme sollen den Menschen dienen und nicht zur lückenlosen Kontrolle oder Diskriminierung von Arbeitnehmenden missbraucht werden.
Schutz des geistigen Eigentums
Kreativ- und Wissensarbeit darf nicht von KI-Systemen ausgebeutet werden.
syndicom fordert klare gesetzliche Regelungen, die das Urheberrecht auch im KI-Zeitalter wirksam schützen, bspw. durch die Schaffung einer Rechtsgrundlage, welche die kollektive Verwertung für das Machine-Learning ermöglicht. So darf z.B. für das Training von KI-Modellen nicht ungefragt auf urheberrechtlich geschützte Werke zugegriffen werden. Unternehmen, die KI in kreativen Prozessen einsetzen, sollen sicherstellen, dass bei jeder KI-Anwendung immer und unbedingt eine kreative Eigenleistung zugrunde liegt. Um kreatives Schaffen als Kulturleistung zu erhalten, setzt sich syndicom auf politischer Ebene für die Förderung der Bild- und Medienkompetenz ein.
Mehr dazu in der Stellungnahme der Illustrator:innen syndicom
Nachhaltigkeit und Regulierung
Die Politik ist gefordert, verbindliche Regeln für KI zu schaffen, die soziale und ökologische Aspekte berücksichtigen.
syndicom unterstützt Initiativen für eine nachhaltige KI-Entwicklung – dazu zählen Förderungen für energieeffiziente Technologien, erneuerbare Energiequellen und Auflagen, die den CO₂-Fussabdruck von grossen Rechenzentren und KI-Modellen begrenzen. Insgesamt braucht es einen gesetzlichen Ordnungsrahmen (national wie international), welcher ethische Leitlinien für KI verbindlich macht und bei Verstössen wirksame Sanktionen vorsieht. Nur so lässt sich sicherstellen, dass KI zum Wohl der Gesellschaft eingesetzt wird und nicht nur Profitinteressen dient.
In diesem Sinne fordert syndicom von den Betrieben eine gelebte Datensparsamkeit und Datenminimierung im Sinne des DSG.
Transparenz und Kennzeichnung
Unternehmen müssen offenlegen, wo und wie sie KI-Systeme einsetzen. KI-generierte Inhalte in Medien und Kommunikation sind klar zu kennzeichnen, damit Konsument:innen und Beschäftigte auf den ersten Blick erkennen können, ob sie es mit menschlichen oder maschinellen Inhalten zu tun haben.
Wir fordern Transparenzpflichten, die verhindern, dass KI verdeckt zur Täuschung oder Verschleierung eingesetzt wird. Transparenz schafft Vertrauen und ermöglicht es Nutzer:innen wie Betroffenen, die Ergebnisse von KI zu verstehen und zu hinterfragen. Sie ist unerlässlich, um Fairness sicherzustellen und Verantwortlichkeiten klären zu können.
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