Gelbe Karte für den neuen Chef des «gelben Riesen»
Die Schweizerische Post AG präsentiert einen stattlichen Gewinn auf Kosten des Personals. Die Gewerkschaft syndicom kritisiert, dass der neue CEO trotz ansehnlichem Ergebnis den fantasielosen Sparkurs weiterführen will und kündigt Widerstand gegen jeglichen Abbau an: Die Schweiz braucht mehr Service public, nicht weniger.
11. März 2026 | syndicom ist tief erschüttert wegen dem tragischen Brand eines Postautos in Kerzers am Dienstag. Wir trauern um unseren Kollegen, der dabei sein Leben verlor. Unsere Gedanken sind bei allen Opfern und deren Angehörigen, denen wir unser tief empfundenes Beileid aussprechen.
Heute haben die Post-Verantwortlichen das Betriebsergebnis 2025 präsentiert. Gleichzeitig hat sich der neue Post-CEO erstmals geäussert und dargelegt, wohin die Reise für den «gelben Riesen» mit ihm gehen soll.
Aus Sicht der Postangestellten ist zunächst einmal zu begrüssen, wenn eine Stärkung des Service public durch Investitionen ins Kerngeschäft angestrebt wird. Der Service public darf etwas kosten, denn er stärkt den Zusammenhalt der Schweiz. Dass die Schweizer Bevölkerung einen gut ausgebauten, barrierefreien Service public unterstützt, hat nicht zuletzt das vergangene Abstimmungswochenende eindrücklich gezeigt. Der Trend der vergangenen Jahre, die durch einen stetigen Dienstleistungsabbau in der postalischen Grundversorgung geprägt waren, muss endlich gestoppt werden.
Profit auf Kosten der Postangestellten
Für die Gewerkschaft syndicom ist massiv störend, dass die Post tatsächlich in der Lage war, eine Dividende in dreistelliger Millionenhöhe an die Eignerin zu überweisen. Hier wären Zurückhaltung und mehr Fingerspitzengefühl angebracht gewesen.
Denn dieser positiven Jahresbilanz liegen viele menschliche Schicksale und der Abbau hochwertiger Arbeitsplätze zugrunde: Sei es die Entlassungen der Angestellten der Notime AG oder der PostFinance AG, die Auslagerung von Arbeitsplätzen in der Informatik nach Portugal oder die von Betriebsschliessungen betroffenen Beschäftigten der Briefzentren Gossau und Kriens.
Zudem müssen die Postangestellten in diesem Jahr knauserige Lohnerhöhungen hinnehmen. Das ist Profit auf Kosten der Lohnabhängigen und aus Eignersicht sozialpolitischer Unsinn.
Dominik Dietrich, Zentralsekretär der Gewerkschaft syndicom, ist besorgt:
Der neue CEO wirkt fantasielos, wenn er bei seinem ersten Auftritt trotz stattlichem Gewinn gleich die nächsten Sparmassnahmen in Aussicht stellt. Dafür zeigen wir ihm die gelbe Karte. Die Gewerkschaft syndicom wird sich gegen jede einzelne Entlassung und Auslagerung wehren.
Bei den erwähnten Effizienzmassnahmen, wo Abläufe in den internen Bereichen vereinfacht werden sollen, erwartet syndicom einen sehr engen sozialpartnerschaftlichen Einbezug und ein maximales soziales Verantwortungsbewusstsein der Arbeitgeberin.
Ja zu digitalem Service public, aber er muss den Menschen dienen
Die Gewerkschaft syndicom erwartet, dass die Post weiter in Zukunftsbereiche investiert, dazu gehören auch die digitalen Services. Diese Digitalisierung muss aber den Menschen dienen – der Bevölkerung genauso wie den Beschäftigten –, und nicht umgekehrt. Die daraus resultierenden Produktivitätsfortschritte müssen gerecht verteilt werden.
Nochmals Dominik Dietrich:
Die Gewerkschaft syndicom erwartet vom neuen CEO ein sehr starkes Bewusstsein für die besondere soziale Verantwortung eines Staatsbetriebs. Wir werden ihn nicht nur regelmässig daran erinnern, sondern ihn vor allem daran messen, wie er mit seinen Angestellten und dem von ihm verwalteten Volksvermögen umgeht.