Kurierszene: Migros hält ihren Sozialplan nicht ein

Text: Muriel Raemy

Arbeit ist genug da. Weshalb gibt man sie nicht denen, die den Job kennen und Erfahrung in der Logistik haben?

fragt Virginie Zürcher, Co-Leiterin Romandie bei syndicom.

Zur Erinnerung: Die Migros Genf hat den Betrieb ihrer Liefertochter Smood eingestellt. Damit haben 400 Kurier:innen ihre Stelle verloren. Seitdem ihre Verträge auf Mai ausgelaufen sind, stehen sie in einem offenen Konflikt mit ihrer ehemaligen Arbeitgeberin. Am Mittwoch, 13. Mai 2026, haben die kürzlich entlassenen Smood-Kurier:innen vor der Migros in der Genfer Innenstadt protestiert.

«Mit persönlicher Empfehlung»

Die Migros hatte sich nämlich verpflichtet, den Kurier:innen zu einer Neuanstellung zu verhelfen. Im Sozialplan steht, dass die Kolleg:innen mit persönlicher Empfehlung der Smood-Geschäftsleitung von Just Eat übernommen würden. Dieses Versprechen hält sie nicht ein, obwohl der neue Migros-Lieferpartner Just Eat kantonsweit in grossem Umfang neue Angestellte rekrutiert. «Das Timing ist grotesk. Gerade jetzt, wo die Smood-Kurier:innen verzweifelt einen neuen Job suchen, werden sie im Stich gelassen», sagt Virginie Zürcher.

Plötzlich eine Wohnsitzklausel

Die Realität sieht so aus: Ein Teil der Kurier:innen, die sich bei Just Eat beworben und gehofft hatten, weiter für die Migros zu arbeiten, erhielt eine Absage. «Just Eat verlangt für die Anstellung eine Adresse in der Schweiz. Viele Kurier:innen sind Grenzgänger:innen. Bei den Verhandlungen kam so eine Klausel nie zur Sprache. Das ist ganz einfach Diskriminierung», sagt Virginie Zürcher.

Die Arbeitsbedingungen bei Lieferdiensten sind hart. Bei der Aktion zeigen die früheren Angestellten Fotos der schweren Lasten, die sie für die Migros in ihren Privatautos oder mit dem Velo transportierten. Der Arbeitstag war nicht einfach, aber immerhin bot Smood eine Vollzeitbeschäftigung und ein regelmässiges Einkommen.

Wir wollen einfach wieder einen Job.

skandierten die Kolleg:innen hinter ihrem Protestbanner.

Eine unfaire Plattform

syndicom fordert die Migros auf, ihren neuen Partner zu Verhandlungen über einen GAV zu verpflichten. Über Subunternehmen versucht die internationale Plattform, das Schweizer Recht zu umgehen. Die Plattformen sollten ihren Kurier:innen aber die im GAV festgelegten Leistungen gewähren. «Wir Smood-Leute haben so lange eine kaum anerkannte und wenig geschätzte Arbeit geleistet und wollen jetzt nicht einfach vergessen werden! Wir verlangen von der Migros, dass sie ihr Wort hält und die gekündigten Fahrer:innen Just Eat zur Anstellung empfiehlt, dass sie Just Eat zur Einhaltung der sozialrechtlichen Standards verpflichtet und die Grenzgänger:innen nicht diskriminiert», so die Kolleg:innen.

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