Wie soll die Gewerkschaft die Presse verteidigen?
Der Untergang der vielen Pressetitel führt zu einer Prekarisierung der verschiedenen Presse-Berufe – sei sie gedruckt oder online. syndicom war am 23. Mai am Presstival in Biel vor Ort, um mit den Medienschaffenden ins Gespräch zu kommen.
Text: Muriel Raemy
«Was kann eine Gewerkschaft für uns tun?», fragt eine junge Kollegin und Journalistin bei ihrem Besuch am syndicom-Stand des Presstivals, das am 23. und 24. Mai in Biel stattfand. Mathilde Matras, Regionalsekretärin für die Medien, setzt sich dafür ein, die gewerkschaftliche Arbeit und ihren Nutzen bekannter zu machen: «Ich erkläre dann die rechtliche Unterstützung – individuell wie auch in kollektiven Situationen –, die Bemühungen zur Verbesserung der Löhne und Arbeitsbedingungen, die Weiterbildung, ich sensibilisiere für die Herausforderungen der Branche und des Service public.»
In einer Branche, die sich aufgrund der Digitalisierung und der Medienkonzentration rasant wandelt, ist es eine echte Herausforderung, Mitglieder zu gewinnen und so die gewerkschaftliche Stimme hörbar zu machen. Die Angst vor Repressalien, aber auch der ständige Druck auf die Arbeitsplätze, lässt weder Zeit noch Mittel, sich zu organisieren. Auch die Freischaffenden zusammenzubringen, ist aufgrund ihrer Isolation eine Herausforderung.

Die Medienkonzentration: ein gewerkschaftlicher Kampf
Mathilde Matras:
Diese Konzentration ist eine wirtschaftliche Frage, die sich auf die journalistische Arbeit auswirkt, insbesondere auf die Unabhängigkeit.
Wenn wenige grosse Konzerne den Grossteil der Information kontrollieren, dann entscheiden sie, welche Themen eine vertiefte Recherche verdienen, welche Blickwinkel bevorzugt und welche Stimmen gehört werden. Die Redaktionen müssen unter finanziellem Druck oft die Klicks, die Sensation oder «rentable Themen» bevorzugen, zulasten einer qualitativ hochwertigen Information. Journalist:innen können sich gezwungen sehen, komplexe Dossiers nur oberflächlich zu behandeln, weil Zeit und Mittel fehlen.
Für die Medienschaffenden hat die Konzentration somit sehr konkrete Folgen: Prekarisierung der externen Mitarbeitenden, Stellenabbau, erhöhter Druck auf die Redaktionen. Journalist:innen sind zunehmend gezwungen, mehr und schneller mit weniger Mitteln zu produzieren. Wie lässt sich in diesem Kontext die Qualität der Information sichern? Wie soll man der Selbstzensur widerstehen, wenn man weiss, dass bestimmte Themen oder bestimmte kritische Stimmen der Direktion oder den Geldgeber:innen missfallen könnten?
Angesichts dieser Lage verteidigt syndicom die Rechte der Arbeitnehmenden, aber auch eine pluralistische Medienlandschaft. Wir setzen uns für unabhängige und gut finanzierte Redaktionen ein. Es lohnt sich – wie das Abstimmungsergebnis zugunsten der SRG gezeigt hat.
Die jungen Leute, die in Biel am Stand vorbeischauten – Zeichner:innen, Fotograf:innen, Journalist:innen und Korrektor:innen –, haben die Botschaft schon verstanden. Es gilt, die mit der Presse verbundenen Berufe weiterhin zu mobilisieren.