Post: Ausstieg EPD – Aktionismus, statt überlegte Strategie
Personal und langfristige Geschäftsentwicklung bezahlen Preis
Die Post teilt heute mit, dass sie ihre Plattform für das elektronische Patientendossier Ende 2026 einstellen wird. Deswegen beabsichtigt sie, 37 Vollzeitstellen abzubauen und noch mehr Angestellte zu entlassen. Die Gewerkschaft syndicom kritisiert diesen Schritt und fordert von den Post-Verantwortlichen eine nachhaltige Personal- und Digitalisierungsstrategie, statt «hüst und hott».
Die Post vollzieht mit dieser Ankündigung eine abrupte Kurskorrektur – «hüst und hott» statt verlässlicher, kontinuierlicher Entwicklung. Ende 2026 wird eine Plattform aufgegeben, in die investiert, für die geworben und auf die Kundinnen und Kunden sowie Angestellte verpflichtet wurden. Ohne gesicherte gesetzliche Grundlage soll nun auf eine neue, noch nicht beschlossene Lösung gesetzt werden. Das Gesetz zum elektronischen Gesundheitsdossier (E-GD) befindet sich erst in der parlamentarischen Debatte. Der Stellenabbau von rund 37 Vollzeitstellen mit entsprechenden Entlassungen würde damit ohne Planungssicherheit erfolgen.
Dominik Dietrich, Co-Sektorleiter Logistik der Gewerkschaft syndicom, kritisiert:
Diese Vorgehensweise ist nicht nachhaltig. Wer Angestellte und Kompetenzen jetzt abbaut, in der vagen Aussicht, sich später als «Systemintegratorin» neu zu positionieren, riskiert, genau das Know-how zu verlieren, das für diese künftige Rolle nötig wäre. Tempo und Zeitpunkt dieses Umbaus stehen in keinem Verhältnis zur tatsächlichen regulatorischen Unsicherheit.
Zickzack-Kurs stoppen, Vertrauen sichern
Wir fordern die Post auf, im Rahmen des laufenden Konsultationsverfahrens zurück auf die Geleise einer nachhaltigen Personal- und Digitalisierungsstrategie zu finden:
- Kein Stellenabbau vor Verabschiedung des E-GD-Gesetzes; der heutige Zeitplan ist verfrüht und unnötig hart.
- Ein geordneter, schrittweiser Übergang vom EPD ins E-GD, der Kompetenzen und Personal in der neuen Struktur weiterführt, statt sie vorher abzubauen und später wieder einzukaufen.
- Wenn die Post sich als Integratorin im E-GD positionieren will, braucht es klare, schriftliche Garantien, dass dafür primär das bestehende, intern aufgebaute Personal eingesetzt wird.
- Der gesamte Prozess muss sozialpartnerschaftlich begleitet werden. Nicht nur im Rahmen des Konsultationsverfahrens, sondern auch der Neuausrichtung als Ganzes, inklusive Mitsprache bei der künftigen Positionierung der Post im E-GD-Markt.
Nochmals Dominik Dietrich:
Eine starke Post braucht Verlässlichkeit und Kontinuität – gegenüber ihren Angestellten, der Bevölkerung, als Service public-Unternehmen insgesamt. Häufige strategische Kurswechsel ohne nachhaltige Übergangsplanung schaden diesem Vertrauen langfristig mehr, als sie kurzfristig Kosten sparen.
Kommt hinzu, dass auch der Bundesrat eine Mitverantwortung trägt, die Zukunftsprojekte der Post im Service public mit einer zurückhaltenden Dividendenpolitik zu unterstützen. Das scheint den UVEK-Vorsteher aber offenbar nicht zu stören.