«Wir erhalten zahlreiche Meldungen über mögliche Verstösse»

Die Probleme bei Logistik-Services sind vielschichtig, die Arbeitsbedingungen der Angestellten verschlechtern sich zusehends. Logistik-Zentralsekretär Dominik Dietrich sieht die Verantwortung dafür klar bei der Post.

Interview: Salim Staubli
Foto: Manuel Lopez

Dominik, wo drückt der Schuh bei Logistik-Services aktuell am stärksten?

Spätestens seit der Pandemie leiden die Zusteller:innen unter einer enorm hohen Arbeitsbelastung. Die Touren werden zu lang geplant und bei krankheits- oder unfallbedingten Ausfällen müssen die ohnehin belasteten Kolleg:innen regelmässig Mehrarbeit leisten. Zu dieser bereits sehr hohen Belastung kommen zahlreiche neue Projekte, welche die Post fortlaufend lanciert. Diese zusätzlichen Anforderungen verschärfen die Situation weiter und führen seit mehreren Jahren zu einem für die Mitarbeitenden unzumutbaren Zustand.

Wie steht es generell um die Einhaltung der Arbeitsrechte bei Logistik-Services?

Wir erhalten zahlreiche Rückmeldungen von Mitarbeiter:innen über mögliche Verstösse der geltenden Bestimmungen aus dem GAV oder dem Arbeitsgesetz. Besonders häufig geht es um kurzfristige Anpassungen der Einsatzpläne ohne Einbezug der betroffenen Mitarbeitenden sowie Verstösse gegen die täglichen und wöchentlichen Höchstarbeitszeiten. Leider profitieren Arbeitgeber in der Schweiz von einer sehr liberalen Gesetzgebung, was der Post einen grossen Handlungsspielraum verschafft. Umso wichtiger ist es, dass wir künftig noch mehr Ressourcen und Zeit in die Überwachung und Durchsetzung des GAV investieren. Wir werden bei jedem möglichen Verstoss konsequent und mit voller Härte vorgehen.

Schlechte Arbeitsbedingungen führen zu personellen Ausfällen und das wiederum zu höherer Arbeitsbelastung für die Kolleg:innen. Was muss geschehen, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen?

Wir fordern zum Beispiel, dass Mitarbeitende, die krankgeschrieben sind, nicht mehr unter Druck gesetzt werden, möglichst rasch an den Arbeitsplatz zurückzukehren. Um sie besser zu schützen, haben wir gemeinsam mit der Post neue Richtlinien («Dos and Don’ts») erarbeitet.

Ein zentrales Problem sehen wir darin, dass derzeit sämtliche Massnahmen unter dem Anspruch der «Kostenneutralität» stehen – ein Ansatz, der nachweislich nicht funktioniert. Wenn die Post, insbesondere Logistik-Services, eine echte Entlastung erreichen will, muss sie bereit sein, in ihr Personal zu investieren. Nur so können stabile Teams aufgebaut, Ausfälle reduziert und die Arbeitsbedingungen nachhaltig verbessert werden.

Weshalb ist es wichtig, dass es einen syndicom Firmenvorstand bei Logistik-Services gibt? 

Der Firmenvorstand von Logistik-Services ist das zentrale strategische Organ. Er setzt sich aus Mitarbeiter:innen aus sämtlichen Bereichen sowie aus allen Landesteilen der Schweiz zusammen. Die Mitglieder des Firmenvorstands geniessen in ihren Betrieben eine hohe Anerkennung und verfügen über die Fähigkeit, Kolleg:innen für gewerkschaftliche Anliegen zu motivieren und zu mobilisieren.

Als Botschafter:innen tragen sie Informationen aus den Betrieben in den Firmenvorstand und umgekehrt wieder zurück in die Organisation. Gemeinsam mit dem Firmenvorstand entwickeln wir Strategien, Kampagnen und Aktionen, um die Arbeitsbedingungen bei der Post nachhaltig zu verbessern.

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