TeleBielingue: Wertvoller Einsatz für einen Sozialplan

Am 30. Juni strahlte TeleBielingue seine letzte Sendung aus. Die Mobilisierung und die Aktionen der Belegschaft, angesichts der Verweigerung eines Sozialplans durch die Geschäftsleitung, haben jedoch Früchte getragen.

Text: Muriel Raemy

Anfang April hat das Bieler Medienhaus Gassmann Media eine Massenentlassung angekündigt. Rund 40 Personen von 55 Beschäftigten wurde auf Ende Juli gekündigt. Der Verlust der Konzession und damit der jährlichen Bundessubvention von 3,7 Millionen Franken bedeuten für den zweisprachigen Regionalsender TeleBielingue tatsächlich das Ende – jedenfalls in der bisherigen Form und Grösse.

Das Problem: Gassmann Media weigerte sich nach der Ankündigung der Massenentlassung, einen Sozialplan vorzuschlagen. Dabei hatte man jedoch nicht mit der hohen Mobilisierung und Solidarität innerhalb der Belegschaft gerechnet.

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«Wir wussten natürlich, dass der Verlust der Konzession Entlassungen bedeuten würde. Vor einem Jahr hat uns die Geschäftsleitung aber kommuniziert, dass bei einer Massenentlassung ein Sozialplan zum tragen kommen würde. Entsprechend fühlten wir uns vor den Kopf gestossen, als die Unternehmensleitung Anfang April kommunizierte, es gebe rechtlich keine Sozialplan-Pflicht. Auch wenn dies der Fall ist – zumindest ein klares Zeichen der Verantwortung gegenüber den Mitarbeitenden haben wir erwartet», erzählt Barbara Roelli, Journalistin bei TeleBielingue und Mitglied der Personalkommission. Diese war vor der endgültigen Bekanntgabe des Konzessionsverlusts zu Beginn dieses Jahres ins Leben gerufen worden.

Während der obligatorischen Konsultationsphase trafen sich der Personalausschuss und die Gewerkschaft mehrfach, um Massnahmen zu erarbeiten und vorzuschlagen, mit denen die Zahl der Entlassungen verringert und die Folgen der unvermeidbaren Entlassungen abgefedert werden sollten. Die Geschäftsleitung, die eine neue, kleinere Version von TeleBielingue in Planung hatte, weigerte sich, Geld für einen Sozialplan zu sprechen. Finanziell wolle man sich auf das «TeleBielingue 2.0» konzentrieren.

Am 6. Mai dieses Jahres organisierten die Kolleg:innen daraufhin eine Protestaktion vor den Räumlichkeiten des Fernsehsenders.

Ziel war es, der Geschäftsleitung eine Petition zu übergeben, die von 45 der 55 Mitarbeitenden unterzeichnet worden war. Die Geschäftsleitung war nur bereit, die Petition, unter Ausschluss der anwesenden Medien, entgegenzunehmen. «Wir brachten in der Petition existenzielle Ängste und Unverständnis über die Situation zum Ausdruck. Gemeinsam mit syndicom formulierten wir unsere Forderungen – nach einem Sozialplan, finanzieller Abfederung, sowie Zeit und Unterstützung bei der beruflichen Neuorientierung. Ziel der Petition war, mit der Geschäftsleitung an einen Tisch zu sitzen und auf Augenhöhe zu verhandeln», erklärt Barbara Roelli weiter.

Mediation zeigt Wirkung

«Die Unternehmensleitung hat schliesslich eine Mediation vorgeschlagen – ein Zeichen dafür, dass sie begriffen hat, dass ihre Haltung alle verärgert hat», bemerkt Thomas Loosli, der seit 22 Jahren als Journalist bei TeleBielingue tätig ist und Mitglied der Verhandlungsdelegation war, die nach der Protestaktion gebildet wurde. Die Mediation zwischen der Geschäftsleitung und der Personalvertretung wurde unter aktiver Mithilfe von syndicom durchgeführt. Biels ehemaliger Stadtpräsident Erich Fehr, der bei den Verhandlungen half, hörte sich die Beschwerden beider Seiten an, bevor er sie an den runden Tisch brachte. Thomas Loosli: «Wir haben sehr wohl verstanden, dass Gassman Media weder Tamedia noch Ringier ist. Die Bilanzen haben gezeigt, dass das Unternehmen nicht über grosse Mittel verfügt, um in einen Sozialplan zu investieren. Natürlich hätten wir uns mehr gewünscht, aber letztendlich wurde das Ergebnis der Mediationsverhandlungen  von der gesamten Belegschaft angenommen, die zufrieden war, eine Kompensationsleistung zu erhalten.»

Die Delegation hat schlussendlich ein Budget von 75.000 Franken durchgesetzt. Damit wird den Mitarbeitenden, welche ab August Arbeitslosengeld beziehen, oder eine neue Stelle zu einem tieferen Lohn angetreten haben, die Differenz zum früheren Lohn ausgeglichen.

Stephanie Vonarburg lobt den mutigen Einsatz der Belegschaft und die entschlossene Haltung der Delegation:

Nur dank der intensiven Zusammenarbeit und der Solidarität der Kolleg:innen hat die Unternehmensleitung begonnen, ihre Position zu überdenken. Sie hat erkannt, dass sich der Arbeitskonflikt verschärfen könnte, wenn sie weiterhin jegliche Begleitmassnahmen ablehnt. Zudem konnten im Rahmen des neuen, verkleinerte Projektes TeleBielingue 2.0 mehr Arbeitsplätze erhalten werden. Das zeigt, dass das gewerkschaftliche Engagement Früchte trägt.

BAKOM: Albert Rösti trifft die falschen Entscheidungen

Das Beispiel von TeleBielingue zeigt zeigt, wie fragil das Finanzierungsmodell der Lokalmedien ist. Die Krise bei TeleBielingue hat ihren Ursprung in der Ende März ergangenen endgültigen Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts, mit der der Verlust der Konzession ab Sommer 2026 bestätigt wurde. Diese Entscheidung entzieht dem Sender seine wichtigste Finanzierungsquelle, die auf etwa 3,7 Millionen Franken pro Jahr geschätzt wird.

TeleBielingue wird ab diesem Herbst in einer anderen Form fortgesetzt. Für die Gruppe geht es darum, eine starke regionale Marke zu bewahren, die seit mehr als 25 Jahren im zweisprachigen Raum von Biel aufgebaut wurde, und gleichzeitig das Budget an den Wegfall der konzessionsbezogenen Einnahmen anzupassen. Auch dies hat die Belegschaft im Konsultationsverfahren erwirkt, indem sie aufzeigte, dass mit nur 6.5 Vollzeitstellen auch nicht ansatzweise ein – auch reduziertes – Programm zu stemmen ist. Schlussendlich hat das Unternehmen die Ressourcen für TeleBielingue 2.0 auf 16 Personen angesetzt.

Am 26. Juni brachten Mitarbeiter:innen von TeleBielingue Albert Rösti einen Sarg in den Farben des Senders auf den Bundesplatz «Wir möchten unserem Minister für seine willkürliche und absurde Entscheidung danken. Einen gut etablierten Sender zugunsten eines anderen abzubauen, der in der Region erst alles aufbauen muss, geht zu Lasten der Steuerzahler.» Für Thomas Loosli ist das Ganze reine Verschwendung, auch wenn es noch eine Zukunft für TeleBielingue gibt.

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