Wie von syndicom erwartet steigt die Paketmenge massiv an, entgegen dem vom UVEK prognostizierten Rückgang. Das bedeutet, dass man den Zustellkanal der gemischten Zustellung besser auslasten kann. Ein Paket löst mit seinem Volumen deutlich mehr Umsatz und Aufwand aus als ein Brief. Deshalb dürfen Wachstum und Rückgang bei Paket und Brief nicht einfach in Stückzahlen ausgegeben werden und auf die einzelnen Zustellkanäle heruntergebrochen werden. Die Stückzahl-Prognosen des Bundesrats, mit denen er den geplanten «Abbau-Automaten» (laufende Postgesetz-Revision) rechtfertigt, sind falsch.

David Roth, Co-Leiter Sektor Logistik der Gewerkschaft syndicom, dazu:

Die Zahlen widerlegen die Behauptung, ein massiver Abbau des Service public sei unausweichlich. Gerade das starke Paketwachstum zeigt, dass die Zustellnetze in ihrer heutigen Qualität aufrechterhalten werden können. Röstis Abbau-Automat zielt in die falsche Richtung.

Keine Dividenden auf Kosten von Personal und Bevölkerung

Für syndicom ist klar: Die erwirtschafteten Gewinne müssen in erster Linie der Qualität der Dienstleistungen, den Arbeitsbedingungen und den notwendigen Investitionen zugutekommen. Es ist nicht nachvollziehbar, dass gleichzeitig über den Abbau von Leistungen diskutiert wird, während der Bund darauf abzielt, höhere Gewinne und Dividendenausschüttungen zu erzielen. Die finanziellen Mittel sind vorhanden. Sie müssen dort eingesetzt werden, wo sie einen nachhaltigen Nutzen schaffen: bei der Grundversorgung, der Infrastruktur und den Angestellten.

Reallohnstillstand endlich beenden

Die Angestellten der Post haben in den vergangenen Jahren mit grossem Engagement dazu beigetragen, die Ergebnisse des Konzerns zu sichern. Gleichzeitig mussten viele Arbeitnehmende einen anhaltenden Reallohnverlust hinnehmen. Angesichts der positiven Geschäftsentwicklung fordert syndicom die Post auf, bei den kommenden Lohnverhandlungen substanzielle Verbesserungen vorzulegen.

Nochmals David Roth:

Wer gute Ergebnisse präsentiert, muss auch bereit sein, die Angestellten angemessen am Erfolg zu beteiligen. Die Löhne der Postangestellten müssen endlich wieder merklich steigen, der langjährige Reallohnstillstand muss durchbrochen werden.

Stellenabbau trotz positiven Ergebnissen

Mit Sorge stellt syndicom fest, dass die Post den Personalabbau im gesamten Konzern weiter vorantreibt. In den vergangenen Monaten wurden zahlreiche Restrukturierungen und Abbauprogramme angekündigt, unter anderem bei der Informatik, PostFinance, PostNetz, Digital Health, IMS sowie weiteren Konzerneinheiten. Die Gewerkschaft kritisiert, dass trotz stabiler Gewinne und positiver Geschäftsentwicklung weiterhin Stellen gestrichen, ausgelagert oder ganze Geschäftsbereiche geschlossen werden. Dies schwächt die Qualität der Dienstleistungen und erhöht den Druck auf die verbleibenden Arbeitnehmenden.

Unhaltbare Arbeitsbelastung in der Zustellung bleibt ungelöst

Besonders dringend bleibt die Situation in der Zustellung. Die steigenden Paketmengen führen seit Jahren zu einer hohen Arbeitsbelastung in nicht mehr tragbarem Ausmass. Zwar hat die Post wiederholt nachhaltige Lösungen angekündigt, spürbare Verbesserungen sind bislang jedoch ausgeblieben. Die aktuellen Halbjahreszahlen verdeutlichen, dass das Paketwachstum keine vorübergehende Erscheinung ist. Umso wichtiger ist es, dass die Post nun konsequent in genügend Personal, tragfähige Arbeitsorganisationen und gesunde Arbeitsbedingungen investiert.

Service public statt Abbaupolitik

Für syndicom ist klar: Die heutige Geschäftsentwicklung der Post liefert keinen Grund für weiteren Druck aufs Personal und für einen Abbau bei der postalischen Grundversorgung – und schon gar nicht einem automatisierten. Stattdessen braucht es Investitionen in die Qualität des Service public, faire Löhne und sichere Arbeitsplätze. Die Arbeitnehmenden sind der wichtigste Erfolgsfaktor der Post. Wer den Service public der Zukunft sichern will, muss deshalb zuerst in die Menschen investieren, die ihn täglich erbringen.


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