St-Paul Médias: grosse Mobilisierung gegen die Entlassungen
Die Geschäftsleitung der Gruppe St-Paul Médias – Herausgeberin der Zeitungen La Liberté, La Gruyère und La Broye Hebdo – bleibt kompromisslos: Sie hat sämtliche Vorschläge der Belegschaft zur Begrenzung der im April angekündigten 18 Entlassungen vom Tisch gewischt. Am 2. Juli 2026 haben sich rund 100 Personen zum Protest versammelt.
Text: Muriel Raemy
«Gruyère râpée, Liberté Broyée!», « La Liberté de faire notre métier» oder «S’il y a des trous, ce n’est plus la Gruyère»* war auf den Transparenten zu lesen: Dahinter verbirgt sich die Verunsicherung der Mitarbeitenden von St-Paul Médias. Am 30. April 2026 hatte die Geschäftsleitung ihre rund 150 Beschäftigten über den Abbau von 18 Stellen in allen Unternehmensbereichen informiert.
* Wortspiele mit den Zeitungstiteln La Gruyère, La Liberté und La Broye, auf Deutsch wörtlich etwa: «Gruyère zerrieben, Freiheit zermalmt!», «Die Freiheit, unseren Beruf auszuüben» oder «Wenn es Löcher hat, ist es kein Gruyère mehr».

Konsultation: Nichts rechtfertigt diese Entlassungen!
Die Personaldelegation – Personalkommission mit Unterstützung von syndicom und impressum – hatte Einblick in die Buchhaltung und Umsatzzahlen der Gruppe. Nach eingehender Analyse bestehen grosse Zweifel am Umfang der von der Geschäftsleitung geplanten Einsparungen. Für Stephanie Vonarburg, Leiterin Sektor Medien von syndicom, rechtfertigen die Finanzergebnisse diesen Stellenabbau nicht – anders als die Geschäftsleitung der Gruppe behauptet. «Das Konsultationsverfahren hat gezeigt, dass die Gruppe wirtschaftlich gut dasteht. Wir wehren uns gegen die Strategie, wonach das Unternehmen durch die Streichung von Arbeitsplätzen mehr verdienen könnte. Die Geschäftsleitung hat zudem nicht erklärt, wie das gehen soll.»
Mit bemerkenswertem Einsatz hat die Belegschaft gezielte Sparmassnahmen erarbeitet und Vorschläge für eine Umverteilung von Ressourcen oder sogar Marketingpläne zur Gewinnung von Sponsoren und neuen Leser:innen vorgelegt. syndicom und impressum haben diese Anstrengungen begleitet. Der Konsultationsbericht wurde der Geschäftsleitung am 2. Juli 2026 im Rahmen einer gross angelegten Mobilisierung übergeben.

Presselandschaft eines ganzen Kantons
Mitarbeitende aus allen Unternehmensbereichen, Vertreter:innen aus Kultur, Politik und Gewerkschaften versammelten sich an diesem Tag, um gegen die Entlassungen zu protestieren und ihre Kritik zum Ausdruck zu bringen. «Diese Solidarität ist heute wichtiger denn je, um eure Arbeitsplätze und unsere Medien zu erhalten. Ihr setzt ein deutliches Zeichen für eure Leser:innen und die gesamte Westschweizer Medienlandschaft. Die Arbeitsplätze in der Presse müssen erhalten bleiben!», betonte Mathilde Matras, Regionalsekretärin Medien.
Eine Reaktion der Geschäftsleitung wird in den nächsten Tagen erwartet.