St-Paul Médias: Der Streit eskaliert

Die Geschäftsleitung von St-Paul Médias hat die Vorschläge der Belegschaft vom Tisch gewischt. Am 9. Juli 2026 wurden die ersten Entlassungen ausgesprochen. Die Angestellten haben ihrer Wut und ihrem Unverständnis auf der Strasse Ausdruck verliehen.

Text: Muriel Raemy

«L’info ne s’écrit pas dans les marges.» (Auf Deutsch sinngemäss: «Nachrichten sind mehr als eine Margenfrage») Dieses Transparent hängten zwei Journalist:innen am Donnerstag, 9. Juli 2026, an die Fassade der Büros der Zeitung La Liberté in Freiburg. An einem erneuten Protest kritisierte die Belegschaft von La Liberté, La Gruyère und La Broye Hebdo die «mangelnde Flexibilität und Kommunikation» auf Seiten der Geschäftsleitung von St-Paul Médias.

Diese «beharrte auf ihrer Position, ohne neue Argumente vorzulegen», sagte Julie Rudaz, Mitglied der Delegation und Präsidentin der Redaktionsvertretung. «Die Geschäftsleitung blockiert sämtliche Alternativen zu den Entlassungen, die ermöglichen würden, die finanziellen Ziele zu erreichen», sagte die Journalistin laut einer Medienmitteilung. Am Vortag waren sämtliche Verhandlungen gescheitert, da die Geschäftsleitung alle Vorschläge der Belegschaft zurückgewiesen und damit die Entlassung von 15 Mitarbeitenden besiegelt hatte.

Direkte Entlassungen

«Ich weiss nicht, was ich tun soll. Im Korrektorat sind die Chancen auf eine neue Stelle gleich null», sagt ein Kollege. Andere kritisieren die Kälte und mangelnde Empathie der Geschäftsleitung gegenüber Kolleg:innen, von denen manche dem Verlag 30 Jahre lang die Treue gehalten hatten.

Während die Mitarbeitenden solidarisch ihre Unterstützung auf der Strasse zeigten, wurden die ersten Kolleg:innen vor die Geschäftsleitung zitiert, wo sie ihre Entlassung per Ende Jahr erhielten. «Die Strategie der Gruppe wirft Fragen auf. Die Renditevorgaben ab 2027 sind angesichts des Geschäftsmodells von St-Paul Médias unverhältnismässig hoch», erklärt Angélique Eggenschwiler, Journalistin bei La Liberté und Mitglied der Personalkommission.

Weiterhin kämpfen für den Sozialplan

Vertreter:innen von VPOD, Freiburgischem Gewerkschaftsbund, Unia und syndicom haben ihre Unterstützung und Solidarität für die nächsten Schritte zugesichert. Für Stephanie Vonarburg, Leiterin Sektor Medien, ist es entscheidend, jetzt mobilisiert zu bleiben. «Dieser Zeitpunkt kurz vor den Ferien wurde bewusst gewählt. Die Massenentlassungen bei 20 Minuten, Le Matin oder früher bei der SDA haben gezeigt, dass es möglich ist, einen guten Sozialplan zu erlangen. Lasst euch nicht entmutigen, und vor allem: Bleibt geschlossen und solidarisch!»

Mathilde Matras, Regionalsekretärin Medien, bekräftigt:

Ab nächster Woche bereiten wir die nächsten Schritte vor. Wir müssen alles daransetzen, einen würdigen Sozialplan auszuhandeln.

Angélique Eggenschwiler unterstreicht: «Das Schicksal unserer Kolleg:innen betrifft uns alle. Es geht hier um den schrittweisen Abbau der Regionalpresse. Wir halten zusammen.»

Mobilisierung organisieren

Zahlreiche Mitarbeitende haben am Donnerstag, 9. Juli 2026, ihren Arbeitsort in Beschlag genommen. Auf der Etage unterhalb der Redaktion von La Liberté gestalteten die Journalist:innen und Korrektor:innen Aushänge mit Schlagzeilen sowie Transparente und verfassten eine Petition. «Wir hoffen auf Unterstützung durch die Leser:innen und Bürger:innen im ganzen Kanton und im Broyebezirk», sagt Angélique Eggenschwiler, denn das Büro der Zeitung in Payerne sorgt für die Berichterstattung aus der Waadtländer und Freiburger Broye.

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