Erneut massiver Stellenabbau bei Tamedia: syndicom kritisiert die Ankündigung entschieden
Die Gewerkschaft syndicom kritisiert die heute von Tamedia angekündigte Reorganisation mit Entlassung von 41 Arbeitnehmenden scharf. syndicom fordert einen Abbaustopp, eine echte Konsultation der Mitarbeitenden und ihrer Verbände sowie einen guten Sozialplan.
Tamedia hat heute bekannt gegeben, 41 Mitarbeitende auf 34 Vollzeitstellen in den Redaktionen der Deutsch- und Westschweiz sowie im Print-Desk entlassen zu wollen. Dafür sollen Prozesse weiter automatisiert und der Einsatz von künstlicher Intelligenz und Datenanwendungen ausgebaut werden.
Stephanie Vonarburg, Vizepräsidentin von syndicom, sagt:
Tamedia muss diesen Entscheid überdenken. Nachdem das Deutschschweizer Personal seit Monaten in nichtssagenden Personalinfos hingehalten wurde, kommt nun Mitten in den Herbstferien dieser Abbauhammer. Wir verlangen einen Marschhalt und nach den Herbstferien die Eröffnung eines Konsultationsverfahrens, auch in der Deutschschweiz.
Journalismus braucht Menschen
Publizistische Stärke beruht nicht auf automatisierten Prozessen und KI-News, sondern auf menschlichem Know-how, Erfahrung und regionaler Verankerung.
syndicom erwartet von Tamedia, dass alle Möglichkeiten zur Vermeidung von Entlassungen ernsthaft geprüft werden. Wo Stellenverluste nicht verhindert werden können, braucht es einen guten Sozialplan mit wirksamen Massnahmen für die Betroffenen.
Das Ganze wirkt wie ein Umgehungsversuch der Vorschriften bei Massenentlassungen. Tamedia muss mit den Mitarbeitenden und Sozialpartnern nach Alternativen zu Entlassungen suchen!
sagt Stephanie Vonarburg, Vizepräsidentin von syndicom.
Anhaltende Schwächung des Medienplatzes Schweiz
Für syndicom sind der erneute Personalabbau bei Tamedia und die laufenden Sparmassnahmen bei mehreren Medienhäusern ein alarmierendes Signal. In den vergangenen Jahren wurden in allen grossen Medienhäusern massenweise Stellen gestrichen. Jede weitere Reduktion verschlechtert die Arbeitsbedingungen der verbleibenden Beschäftigten und gefährdet die Qualität des Journalismus und den Output an journalistisch geprüfter und investigativ recherchierter Information.
Die Medienunternehmen reagieren auf den anhaltenden Druck auf dem Medienmarkt mit Personalabbau statt mit Qualität und schaufeln sich dadurch ihr eigenes Grab. Die Politik und die Öffentlichkeit dürfen nicht länger untätig zuschauen, wie Medienschaffende und ihre unabhängige Arbeit schrittweise abgeschafft werden, während sich Fehl- und Falschinformation im Netz ausbreiten.