Die Kurier:innen organisieren sich

Vor einer Woche hat Just Eat angekündigt, sein bisheriges Beschäftigungsmodell mit direkt angestellten Kurierenden weitgehend aufzugeben und auf Schein-Selbstständige und externe Subunternehmen zu setzen. Rund 700 Kurier:innen droht damit die Kündigung und das Abrutschen in prekäre Arbeitsverhältnisse. 

Die Beschäftigten nehmen diese Pläne nicht einfach hin. Gemeinsam mit syndicom präsentieren sie am Donnerstag vor dem Hauptsitz von Just Eat ihre Forderungen: 

  • Massenentlassung stoppen 
  • Geschäftsmodell mit direkten Anstellungen erhalten 
  • Faire und ernsthafte Konsultation der Belegschaft 
  • Verhandlungen auf Augenhöhe mit Delegierten der Belegschaft und der Kurier:innen-Gewerkschaft syndicom 
  • Kantonsbehörden müssen endlich das geltende Recht wirksam durchsetzen und die illegalen Lieferfirmen stoppen 

Für syndicom bleibt das oberste Ziel, die Arbeitsplätze und die direkten Anstellungen zu erhalten. Das Unternehmen muss die laufende Konsultation verlängern und nutzen, um echte Alternativen zur Massenentlassung zu prüfen. Sollte Just Eat dennoch an den Entlassungen festhalten, muss das Unternehmen mit einer Delegation der Belegschaft und deren Gewerkschaft syndicom Verhandlungen über einen Sozialplan aufnehmen, der die Folgen für die betroffenen Beschäftigten wirksam abfedert.

Wir Kurier:innen organisieren uns und zeigen heute: Wir lassen uns nicht einzeln in die Arbeitslosigkeit oder in illegale Beschäftigungsmodelle drängen. Unsere erste Forderung bleibt klar: Just Eat muss die Massenentlassung stoppen und die direkten Anstellungen erhalten. Sollte das Unternehmen trotzdem an den Entlassungen festhalten, erwarten wir Verhandlungen, gemeinsam mit unserer Gewerkschaft syndicom, über einen materiell starken Sozialplan für alle Betroffenen.

*Kelly, Just Eat-Kurierin in Zürich seit 2 Jahren (*Name geändert)​

Auch der politische Druck steigt

Der Widerstand beschränkt sich nicht auf die Belegschaft. Im Zürcher Kantonsrat haben AL, SP und Grüne in einer gemeinsamen Fraktionserklärung die Situation bei Just Eat aufgegriffen und den Regierungsrat sowie die zuständigen Behörden zum Handeln aufgefordert. Für syndicom ist diese politische Reaktion analog den Kantonen Genf und Waadt überfällig. Die Gewerkschaft fordert seit Langem, dass die zuständigen Volkswirtschaftsdirektionen und kantonalen Arbeitsmarktbehörden diese illegalen Beschäftigungsmodelle in der Lieferbranche konsequent unterbinden und das Arbeits- und Sozialversicherungsrecht durchsetzen. 

Gastro: Keine Zusammenarbeit mit illegalen Lieferfirmen 

Was bei Just Eat geschieht, zeigt die Folgen der bisherigen Entwicklung besonders deutlich: Ein Unternehmen, das seine Kurier:innen bislang direkt angestellt hat, will wegen dem Wettbewerbsdruck und dem laschen Gesetzesvollzug lieber als illegales Plattformmodell funktionieren. Es lagert die unternehmerischen Risiken voll auf die Beschäftigten aus. syndicom fordert deshalb weiterhin nicht nur Just Eat, sondern auch Politik und Behörden zum Handeln auf. Auch Restaurants und weitere Geschäftspartner der Delivery-Unternehmen stehen in der Verantwortung: Sie sollen nicht mit illegalen Lieferfirmen zusammenarbeiten, die gesetzliche Vorgaben für Beschäftigung und Sozialversicherungen umgehen.


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