Es reicht! Keine Entlassungen: Die Redaktionen rufen zur Protestaktion am Dienstag auf.
Gerade einmal fünf Tage war der Entlassungsstopp ausgelaufen, kündigte die Geschäftsleitung von Tamedia am 5. Oktober den nächsten massiven Stellenabbau an. Die Belegschaft wurde mitten in den Herbstferien darüber informiert, dass 34 Vollzeitstellen in der Deutschschweiz und der Romandie weggespart werden, insgesamt 41 Mitarbeitende verlieren ihre Stelle. Der Grossteil davon, insgesamt 30 Vollzeitstellen, wird in der Publizistik abgebaut. Das macht uns wütend.
Neben jahrelangem stillen Stellenabbau ist das die siebte Entlassungswelle in den vergangenen sechs Jahren.
Der Abbau kam nicht nur überraschend, er erfolgte auch ohne Konsultation oder Freiwilligenprogramm. Mit anderen Worten: Die Belegschaft wurde vor vollendete Tatsachen gestellt. Sie hat sich mittels Brief an die Geschäftsleitung gewandt und sie gebeten, im Rahmen eines Konsultationsverfahrens gemeinsam Lösungen zu finden, wie wir diese Kündigungen abwenden können. Das gab es in den vergangenen Entlassungsrunden bereits.
In wenigen Stunden haben 270 Mitarbeitende diese Forderung unterschrieben. Doch am Donnerstagvormittag traf die abschlägige Antwort der Geschäftsleitung ein.
Man wisse, wie belastend die Situation für jeden Einzelnen sei, aber man wolle den Betroffenen rasch Klarheit geben. Der Medienwandel verlaufe eben schnell.
Kurzum: Die Geschäftsleitung hat kein Interesse an einem gemeinsamen Ideenaustausch, wie dieser Medienkrise zu begegnen ist.
Die Belegschaft kann und will das nicht akzeptieren. In einer gemeinsamen Personalversammlung der Standorte Bern, Basel und Zürich wurden folgende Forderungen beschlossen:
- Konsequenzen statt Abwälzung
Bislang musste stets die Belegschaft den Kopf hinhalten für falsche Strategieentscheide. Wir fordern, dass nun auch die Geschäftsleitung Verantwortung übernimmt und personelle Konsequenzen zieht. Die Fehlentscheide dürfen nicht immer auf die Redaktion abgewälzt werden. Unser Vertrauen in diese Führung ist tief erschüttert. Wir haben alle Strategiewechsel und Veränderungen stets mitgetragen. Dafür wurde die Belegschaft immer wieder gelobt – und am Ende gab es doch Entlassungen. Wir möchten, dass Tamedia für qualitativ hochstehenden und innovativen Journalismus steht und nicht für ein Unternehmen, das hauptsächlich Kosten spart und Gewinne maximiert.
- Kündigungsstopp, Konsultationsverfahren und Freiwilligenprogramm
Wir fordern einen sofortigen Kündigungsstopp und ein Konsultationsverfahren auch in der Deutschschweiz. Freiwillige Abgänge müssen berücksichtigt werden.
- Investition in menschengemachten Journalismus
Wir alle wollen technologisch am Ball bleiben. Aber die Leserinnen und Leser sind nicht bereit, für KI-generierten Journalismus zu bezahlen. Im Gegenteil: Sie misstrauen ihm mehrheitlich. Wir fordern, dass die Geschäftsleitung in Journalismus investiert, der von Menschen gemacht wird. Wir sind überzeugt: Nur so hat Qualitätsjournalismus eine Zukunft.
Diesen Forderungen schliessen sich die Redaktionen in der Romandie an. Sie prangern die fehlende Dialogbereitschaft der Geschäftsleitung an. Diese lehnt jegliche Verhandlungen ab, insbesondere in Bezug auf soziale Belange und die freiwilligen Abgänge.
Wir wollen unseren Forderungen Nachdruck verleihen, uns solidarisch mit den Betroffenen zeigen und ein klares Zeichen für die Zukunft des Qualitätsjournalismus setzen. Deswegen rufen wir alle Kolleginnen und Kollegen, unsere treuen Leserinnen und Leser und alle, denen Journalismus am Herzen liegt, zu einer Protestaktion auf.
Wir versammeln uns am:
Dienstag, 20. Oktober, um 12.00 Uhr, vor dem Haupteingang des Tamedia-Gebäudes an der Werdstrasse 21 in Zürich
Weitere Schritte behalten wir uns vor.
Die Tamedia-Redaktionen