Eine Stunde Stillstand bei Tamedia: Belegschaft legt in der Deutschschweiz die Arbeit nieder und erhöht Druck auf Tamedia-Verleger Pietro Supino
Hunderte Mitarbeitende von Tamedia haben sich heute in Zürich, Bern, Lausanne und weiteren Standorten am einstündigen Warnstreik beteiligt. Von 11 bis 12 Uhr legten die Belegschaften kollektiv die Arbeit nieder. Sie protestieren damit gegen die jüngste Kündigungswelle und den zerstörerischen Abbaukurs und fordern die Geschäftsleitung und den Verleger auf, mit der Belegschaft in Verhandlungen zu treten.
Der Warnstreik folgt auf eine deutliche Abstimmung der Belegschaft: Am 3. November beschloss das Deutschschweizer Personal und anschliessend ihre Kolleg: innen in der Romandie , in einen Warnstreik zu treten. Die einstündige Arbeitsniederlegung wurde an mehreren Standorten heute von 11 bis 12 Uhr organisiert.
Seit der ersten Ankündigung der Entlassungen im Oktober hat die Belegschaft stets Hand gereicht, um mit den obersten Verantwortlichen in einen Dialog auf Augenhöhe über ihre Anliegen und Forderungen zu treten. Doch weder die Geschäftsleitung noch der Verwaltungsratspräsident Pietro Supino sind auf ihrer Forderungen eingetreten. Damit sendet die Unternehmensführung ein klares Signal: Sie will ihren Abbaukurs um jeden Preis durchziehen.
begründet Stephanie Vonarburg, Leiterin Sektor Medien der Gewerkschaft syndicom, den Warnstreik.
Eine Zukunft für den Qualitätsjournalismus entsteht nicht durch immer neue Abbaurunden, sondern durch verlässliche Arbeitsbedingungen und den Dialog mit den Redaktionen. Die Mitarbeitenden sind bereit, Verantwortung für diese Zukunft zu übernehmen. Nun braucht es auch von Tamedia ein klares Bekenntnis dazu.
Michael Burkard, Co-Geschäftsleiter Personalverband impressum
Belegschaft hält an fünf Forderungen fest
Die Beschäftigten halten an ihren bisherigen Forderungen fest. Sie verlangen:
- die Rücknahme aller im Oktober ausgesprochenen Kündigungen;
- die Anhörung der Belegschaft im Rahmen eines ordentlichen Konsultationsverfahrens;
- einen Kündigungsstopp für die kommenden zwei Jahre;
- ein Gespräch mit TX-Chef und Verleger Pietro Supino im Rahmen einer grossen Mitarbeitendenversammlung;
- Verhandlungen über einen Firmen-GAV, der bereits bei der Entlassung von fünf Mitarbeitenden ein Konsultationsverfahren und ein Freiwilligenprogramm vorsieht.
Aus Sicht der Beschäftigten hat die Art und Weise, wie die jüngste Kündigungswelle umgesetzt wurde, die Grundlage für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit schwer beschädigt. Gleichzeitig hält die Belegschaft am Dialog fest und will mit der Geschäftsleitung und dem Verleger über eine Zukunftsperspektive verhandeln.
Der Warnstreik knüpft an den Protest vom 20. Oktober an. Das Ziel bleibt dasselbe: Die Geschäftsleitung soll mit der Belegschaft an den Verhandlungstisch kommen.
Nun liegt es an den Verantwortlichen , auf die Forderungen der Beschäftigten einzugehen und Verhandlungen aufzunehmen. Die Belegschaft wird zeitnah für eine weitere Versammlung zusammenkommen und über nächste mögliche Schritte entscheiden. Dabei können sie auf die Unterstützung von syndicom und impressum zählen.
Tamedia hatte am 5. Oktober 2026, just zum Start der Zürcher Herbstferien, bekanntgegeben, 41 Arbeitnehmende in der Deutschschweiz und der Romandie zu entlassen und die menschliche Arbeitskraft durch KI zu ersetzen. Gegen diese Pläne regt sich seither ein von der breiten Öffentlichkeit getragenen Widerstand.




