Erneut Stellenabbau bei Tamedia
Die Gewerkschaft syndicom kritisiert den erneuten Stellenabbau bei Tamedia und erinnert an die gesetzlichen Vorgaben bei Massenentlassungen. Trotz hoher Gewinne für die TX Group werden Beschäftigte und journalistische Qualität erneut dem Renditedruck geopfert.
syndicom unterstützt Betroffene und kritisiert renditegetriebene Strategie
Die Gewerkschaft syndicom zeigt sich besorgt über die jüngste Ankündigung von Tamedia, im Rahmen einer Reorganisation erneut rund 30 Stellen abzubauen. Damit folgt weniger als anderthalb Jahre nach der letzten Massenentlassung ab August 2024 bereits die nächste Abbaurunde. Indem knapp weniger als 30 Personen betroffen sind, besteht beim Personal der Verdacht, dass Tamedia ganz bewusst die Schwelle von mindestens 30 Betroffenen vermeidet, um das gesetzliche Konsultationsverfahren bei Massenentlassungen zu umgehen.
Inakzeptabel ist zudem, dass Tamedia dem nun betroffenen Personal nur einen reduzierten Sozialplan zur Verfügung stellen will, weil der Abbau nicht die Schwelle einer Massenentlassung (ab 30 Betroffenen) erreiche. Auch der Ende 2024 versprochene, zweijährige Entlassungsstopp entpuppt sich als leeres Versprechen der Unternehmensführung, die damit ihr Vertrauen und ihre Glaubwürdigkeit gegenüber dem Personal verspielt.
Gewinnbringender Börsengang gehen zu Lasten der Redaktionen
Bei der Reorganisation im August 2024 hatte das Management erklärt, die neue Struktur brauche Zeit, um zu wirken. Dass nun erneut Stellen gestrichen werden, zeigt aus Sicht von syndicom, wie stark das grösste private Medienunternehmen der Schweiz auf kurzfristige Rendite ausgerichtet ist – auf Kosten von Beschäftigten und publizistischer Qualität.
Stephanie Vonarburg, Vizepräsidentin der Gewerkschaft syndicom, fügt an:
Besonders stossend ist der erneute Abbau vor dem Hintergrund der hohen Gewinne, die das Mutterhaus TX Group beim Börsengang der digitalen Marktplattformen im September 2025 erzielt hat. Dieses Geld scheint weitgehend an die Aktionär:innen zu fliessen. Für den Medienbereich, der das Unternehmen erst aufgebaut und geprägt hat, bleibt davon kaum etwas übrig.
Stabile Arbeitsbedingungen statt fortlaufende Sparrunden
Die wiederholten Restrukturierungen führen zu einer permanenten Belastung für die Mitarbeitenden. Unsicherheit, Zukunftsängste und steigender Druck erschweren konzentriertes Arbeiten und gefährden die journalistische Qualität nachhaltig. Bereits im vergangenen Sommer hatte die TX Group auch bei «20 Minuten» und «20 Minutes» Dutzende Stellen gestrichen. In der Romandie konnten damals dank des Engagements der Belegschaft und der Unterstützung der Gewerkschaften mehrere Arbeitsplätze gerettet und bessere Abgangsbedingungen durchgesetzt werden.
syndicom unterstützt das betroffene Personal bei Tamedia sowohl bei einem möglichen Widerstand gegen den erneuten Stellenabbau als auch bei der Durchsetzung fairer Sozialplan-Regelungen. Dazu gehören unter anderem angemessene Abgangsentschädigungen, Weiterbildungsangebote und Unterstützung bei der beruflichen Neuorientierung.
Nochmals Stephanie Vonarburg:
syndicom fordert die Unternehmensleitung auf, Verantwortung für alle Mitarbeitenden und für die Medienqualität zu übernehmen und den Dialog mit den Sozialpartnern genauso ernsthaft zu führen. Nachhaltiger Journalismus braucht stabile Arbeitsbedingungen – nicht fortlaufende Sparrunden.