Personalabbau trotz Gewinn und 150-Millionen-Dividende: Post-CEO setzt seinen Abbaukurs fort
Die Schweizerische Post kündigt den Abbau von bis zu 110 weiteren Stellen in Management- und Supportfunktionen an. Für die Gewerkschaft syndicom ist klar: Die heutige Ankündigung ist kein Einzelfall, sondern Teil einer Serie von Restrukturierungen und Abbauprogrammen, die sich seit 2025 durch den ganzen Konzern ziehen. Insgesamt waren bereits über 430 Personen von Stellenabbau, Auslagerungen oder Betriebsschliessungen betroffen.
Trotz eines Gewinns von 139 Millionen Franken im ersten Halbjahr 2026 hält die Post an ihrer Abbaustrategie fest. Für syndicom steht dies im Widerspruch zur sozialen Verantwortung eines bundesnahen Unternehmens und zu den Bedürfnissen eines starken Service public.
Die Angestellten haben die guten Ergebnisse der Post erarbeitet. Statt dieses Engagement zu honorieren, präsentiert die Konzernleitung eine Restrukturierung nach der anderen. Das ist weder sozial noch zukunftsorientiert.
kritisiert David Roth, Co-Sektorleiter Logistik der Gewerkschaft syndicom.
Über 540 Stellen betroffen
Die heute angekündigten bis zu 110 Kündigungen kommen zu einer Reihe von Restrukturierungen hinzu, die in den vergangenen Monaten bekannt wurden (Informatik, Digital Health, IMS, PostNetz, PostFinance, notime). Insgesamt waren seit 2025 bereits mehr als 430 Personen von Abbaumassnahmen betroffen. Für syndicom ergibt sich daraus ein klares Bild: Nahezu kein Bereich der Post bleibt von Stellenabbau, Restrukturierungen oder Auslagerungen verschont. Die heutige Ankündigung bestätigt den Eindruck einer Konzernstrategie, die unter CEO Pascal Grieder in erster Linie auf Personalabbau setzt.
Gewinne da, Geld da – aber nicht für die Angestellten
Besonders stossend ist für die Gewerkschaft, dass die Post gleichzeitig gute Geschäftszahlen präsentiert. Die Paketmengen wachsen weiter, die Erträge bleiben stabil und der Konzern verweist regelmässig auf seine solide finanzielle Basis. Gleichzeitig lässt sich der Bund eine Dividende von 150 Millionen Franken auszahlen. Für syndicom ist diese Dividendenpolitik falsch. Dieses Geld könnte stattdessen in Arbeitsplätze, die Qualifizierung der Angestellten, die Digitalisierung sowie die Qualität des Service public investiert werden.
Wer 150 Millionen Franken aus dem Unternehmen abzieht und gleichzeitig Stellen abbaut, darf nicht von fehlenden finanziellen Möglichkeiten sprechen. Die Mittel wären vorhanden, um die Zukunft der Post gemeinsam mit den Angestellten zu gestalten.
hält syndicom fest.
Weiterbildung statt Kündigungen
Wenn sich die Arbeit durch die Digitalisierung verändert, darf die Antwort nicht einfach Personalabbau heissen. Die Post trägt als bundesnahes Unternehmen eine besondere Verantwortung gegenüber ihren Angestellten. Die Gewerkschaft fordert deshalb:
- volle Transparenz gegenüber den Angestellten und den Sozialpartnern;
- eine frühzeitige Information und wirksame Mitwirkung der Betroffenen;
- gezielte Weiterbildungs- und Umschulungsprogramme;
- interne Weiterbeschäftigung statt Kündigungen, wo immer dies möglich ist;
- sozialverträgliche Lösungen für betroffene Mitarbeitende.
Personalabbau und Service-public-Abbau gehen Hand in Hand
Für syndicom endet die Abbaupolitik nicht beim Personal. Die Post gehört zu den wichtigsten Befürworterinnen der vom Bundesrat vorgeschlagenen Revision des Postgesetzes. Diese Revision würde die Tür für einen weiteren Abbau des Service public weit öffnen. Besonders problematisch ist aus Sicht der Gewerkschaft, dass Leistungsverschlechterungen künftig deutlich einfacher beschlossen werden könnten. Anstatt dass über grundlegende Veränderungen der postalischen Grundversorgung weiterhin breit politisch diskutiert wird, droht ein Mechanismus, der den Abbau schrittweise und weitgehend automatisch vorantreibt.
David Roth dazu:
Zum fantasielosen Personalabbau kommt der Versuch, auch den Service public Stück für Stück zurückzubauen. Die Gesetzesrevision schafft einen eigentlichen Abbau-Automaten. Das ist der falsche Weg für die Schweiz.
Gelbe Karte wird dunkelgelb
syndicom hat die Konzernleitung in den vergangenen Monaten wiederholt vor dieser Entwicklung gewarnt und dafür die gelbe Karte gezeigt. Die heutige Ankündigung zeigt jedoch, dass die Kritik der Angestellten und ihrer Gewerkschaft bislang ohne Wirkung geblieben ist. Nochmals David Roth:
Seit Monaten folgt eine Restrukturierung auf die nächste. Mittlerweile sind über 430 Stellen betroffen, 110 weitere sollen hinzukommen. Die Post hält am Personalabbau fest, unterstützt die Schwächung des Service public und ermöglicht Dividendenzahlungen in Millionenhöhe. Wer die Post fit für die Zukunft machen will, muss in Menschen investieren, statt immer neue Abbauprogramme zu präsentieren.
Für syndicom ist klar: Die Schweiz braucht einen starken Service public, die Postangestellten gute Arbeitsbedingungen und sichere Arbeitsplätze. Die Zukunft der Post darf nicht auf Kosten der Beschäftigten und der Bevölkerung gestaltet werden.