Im Kontext eines seit zwei Jahrzehnten ungeregelten, von Sparrunden und Massenentlassungen geprägten Umfelds haben die Mitglieder von syndicom an der Branchenkonferenz der Medienschaffenden die Branchenvereinbarung zur Regelung der Mindestarbeitsbedingungen angenommen. Die kollektive Vereinbarung ist ein Kompromiss, der in zahlreichen Verhandlungsrunden mit dem Verlegerverband VSM erreicht wurde.

Mindeststandards statt «rechtsfreier» Raum

Die Branchenvereinbarung verpflichtet die unterzeichnenden Verlage erstmals seit Jahrzehnten zur Einhaltung verbindlicher Mindeststandards. In einem Arbeitsmarkt, der bisher von Lohndruck, Unsicherheit und permanentem Personalabbau geprägt war, ist das ein wichtiger Schritt aus dem vertragslosen Zustand. 

Besonders spürbar sind die Verbesserungen für Berufseinsteiger:innen. Die vereinbarten Einstiegslöhne liegen über dem bisherigen Niveau und korrigieren einen Teil der strukturellen Unterbezahlung junger Medienschaffender.

Stephanie Vonarburg, Leiterin Sektor Medien und Vizepräsidentin von syndicom, sagt:

Ein kollektiver Vertrag muss zuerst dort ansetzen, wo der Druck am grössten ist: bei den tiefsten Löhnen und den schwächsten Arbeitsverhältnissen. Eine Branche hat nur eine Zukunft, wenn sie für den Nachwuchs attraktiv bleibt. Mit der Branchenvereinbarung erwarten wir für rund 20 % der potenziell Unterstellten konkrete Verbesserungen bei den Einstiegslöhnen.

Die Vereinbarung schafft damit ein Fundament, auf dem weitere Verbesserungen aufgebaut werden können, und verhindert weitere Rückschritte bei den Arbeitsbedingungen. Sie eröffnet der Branche die Chance, aus dem jahrelangen Krisenmodus auszubrechen. 

Kritikpunkte bei den freien Medienschaffenden

So wichtig dieser Schritt ist: Die Branchenvereinbarung bleibt in einem zentralen Punkt hinter den Forderungen von syndicom zurück. Der grösste Kritikpunkt betrifft die Honorare für freie Medienschaffende. Diese sind in der Branchenvereinbarung nicht verbindlich festgelegt, sondern sollen lediglich angemessen sein. Angesichts der Tatsache, dass freie Medienschaffende die Folgen des vertragslosen Zustands besonders stark zu spüren bekommen haben, ist das ungenügend. Immerhin konnte syndicom eine grundsätzliche Anerkennung der Notwendigkeit angemessener Honorare verhandeln.

Stephanie Vonarburg, Leiterin Sektor Medien und Vizepräsidentin von syndicom, betont:

Die Honorare für die Freischaffenden müssen reguliert und verbessert werden. Ein Tagessatz unter 550 Franken ist nicht angemessen, davon können sie nicht leben. Das wird in jedem Handwerks-Beruf anerkannt, das muss auch in der Medienbranche wieder zum Mindest-Standard werden. Dafür braucht es aber noch viel Aufklärungsarbeit und Sensibilisierung.

Nach dem Beschluss sind die Verleger an der Reihe

Nach dem Entscheid von syndicom ist nun der VSM an der Reihe, um über seine Zustimmung am 7. Mai zu entscheiden. Mit der öffentlichen Mitteilung vom 22. April hat das Präsidium des VSM den Weg dazu frei gemacht. Auch impressum hat erklärt, sich anzuschliessen. Damit die Branchenvereinbarung in Kraft tritt, müssen genügend Verlage diese unterschreiben, damit mindestens 3’000 Beschäftigte vertragsunterstellt sind. Das sind gemäss dem vereinbarten Quorum drei Viertel der potenziell Unterstellten.

Einsatz für einen starken GAV

Die Branchenvereinbarung ist auf drei Jahre nach Inkrafttreten bis 2029 befristet. Jährlich werden die Sozialpartner die Umsetzung gemeinsam überprüfen. Sie beabsichtigen zudem gemeinsam deren Weiterentwicklung. Die Branchenvereinbarung ist damit ein erster Schritt in Richtung eines veritablen Gesamtarbeitsvertrags. 

Stephanie Vonarburg, Verhandlungsleiterin von syndicom, ist überzeugt:

Ein neuer GAV muss dort ansetzen, wo die aktuelle Vereinbarung keine Fortschritte und keine Lösungen bringt: bei verbindlichen Mindesthonoraren, bei einer Lohnentwicklung für alle, beim Schutz vor Entlassungen und bei dauerhaft fairen Arbeitsbedingungen für alle Medienschaffenden, ob festangestellt oder frei.

syndicom ist die Stimme aller Beschäftigten in den Medien und setzt sich mit seinen Mitgliedern für verbindlich geregelte Arbeits- und Rahmenbedingungen in der Medienbranche ein. 


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