syndicom und impressum unterstützen Tamedia-Protest: Journalismus darf nicht weiter abgebaut werden
Die Mitarbeitenden von Tamedia haben heute zahlreich vor dem Hauptsitz an der Werdstrasse in Zürich gegen den Stellenabbau protestiert. Solidarisch unterstützt wurden sie von Medienschaffenden anderer Verlage, Vertreter:innen aus Politik und Kultur sowie von der Gewerkschaft syndicom und dem Berufsverband impressum. Die beiden Organisationen stellen sich hinter die Belegschaft und fordern Tamedia auf, die fortgesetzte Schwächung des Journalismus zu stoppen.
An der Protestaktion beteiligten sich mehrere Hundert Personen. Die breite Teilnahme zeigt, dass der Umut des Personals über die wiederholte Entlassungswelle gross ist. Die manifestierte Unterstützung zeigt zudem, dass der Stellenabbau weit über Tamedia hinaus Besorgnis auslöst. Direkt betroffen sind 41 Mitarbeitende, die nach den Plänen des Medienkonzerns in diesen Tagen entlassen werden und die ganze Belegschaft, die aufgrund der stetigen Abbaumassnahmen befürchtet, die Stelle zu verlieren. Der Abbau wirft die Frage auf, welchen Stellenwert unabhängiger und professioneller Journalismus künftig innerhalb des grössten privaten Schweizer Medienunternehmen einnimmt.

Mitarbeitende wehren sich gegen Abbau
Mit der heutigen Protestaktion reagieren die Mitarbeitenden darauf, dass die Unternehmensleitung in der Antwort auf ihren Brief, der von über 280 Mitarbeitenden unterzeichnet worden war, Ende letzte Woche auf keine einzige Forderung eingegangen ist Mit der Aktion haben die Mitarbeitenden deutlich gemacht, dass sie die angekündigten Kürzungen nicht widerspruchslos hinnehmen. Sie setzen ein Zeichen für ihre Arbeitsplätze und für die Zukunft eines qualitativ hochwertigen Journalismus.
syndicom und impressum stehen im engen Austausch mit dem Personal und begleiten die betroffenen Belegschaften im weiteren Prozess.
Die Mitarbeitenden haben heute ein starkes Zeichen gesetzt. Sie wehren sich für ihre Arbeitsplätze und für einen Journalismus, der von qualifizierten Medienschaffenden gemacht wird. Die grosse Solidarität zeigt, dass dieser Protest weit über Tamedia hinaus verstanden und unterstützt wird.
sagt Stephanie Vonarburg, Vizepräsidentin von syndicom und Leiterin Sektor Medien.
Der Zürcher Presseverein steht solidarisch hinter der Protestaktion der Mitarbeitenden von Tamedia. Der Protest zeigt, wie frustriert und enttäuscht die Kolleg*innen auf den Redaktionen sind. Der ZPV teilt diese Gefühle. Dass sich die Geschäftsleitung von Tamedia dem konstruktiven Dialog verweigert, ist nicht nur respektlos gegenüber den Mitarbeitenden, es ist angesichts der wichtigen Rolle des Journalismus in der heutigen Weltlage auch schlicht unverständlich.
ergänzt Pascal Schreiber, Vorstandsmitglied der Zürcher Pressevereine.
Journalismus darf nicht zum Sparposten werden
Der Stellenabbau steht in einem fundamentalen Widerspruch zur Verantwortung eines Medienunternehmens: Während weiterhin grosse Summen an die Aktionär:innen ausgeschüttet werden, wird im Journalismus sukzessive abgebaut. Die Verbände fordern, dass Tamedia wieder stärker in journalistische Inhalte und in die Menschen investiert, die diese Inhalte erarbeiten. Qualitätsjournalismus braucht ausreichend Personal, Zeit für Recherche und redaktionelle Unabhängigkeit.
Kritisch beurteilen das Personal und die Verbände auch den zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz, der ein wesentlicher Treiber der aktuellen Abbaurunde ist. Journalismus besteht nicht nur aus der Aufbereitung von Informationen und News. Kritische Recherche, Einordnung, Verantwortung und ausgewogene Berichterstattung können nicht an technologische Systeme delegiert werden. Eine starke Demokratie braucht Medien, die von Menschen gemacht werden.
syndicom und impressum bleiben an der Seite der Mitarbeitenden
Der heutige Protest ist kein Schlusspunkt. Das Personal wird darüber entscheiden, wie es nun weiter vorgeht, wenn die Unternehmensleitung die Anliegen der Redaktionen weiterhin rücksichtlos übergeht. syndicom und impressum begleiten die Belegschaft als Ganzes und die betroffenen Mitarbeitenden individuell und setzen sich dafür ein, dass deren Interessen im weiteren Verfahren berücksichtigt werden. Die Zukunft des Journalismus und die Interessen der Beschäftigten müssen bei den kommenden Entscheidungen von Tamedia im Zentrum stehen.