Anfang Juni kündigte die Post 57 Stellenstreichungen und 22 Anpassungen von Arbeitsverträgen in ihrer IT-Abteilung an. Letzte Woche nun hat sie eine Korrektur dieser Mitteilung vorgenommen. In einer entsprechenden Aktualisierung heisst es, dass das Konsultationsverfahren nun abgeschlossen sei. Dabei wird von maximal 40 Stellenstreichungen und 20 Änderungen von Arbeitsverträgen gesprochen.

Dominik Dietrich, Co-Leiter des Sektors Logistik, begrüsst diesen Schritt: «Der von uns ausgehandelte Sozialplan mit der Post mildert die Folgen der Entlassungen.» Dietrich bleibt jedoch kritisch:

Dominik Dietrich

Die Folgen für die Betroffenen sind nach wie vor schwerwiegend. In diesem Zusammenhang sind 40 Entlassungen immer noch zu viel.

Und ein weiterer Punkt bleibt heikel: das IT-Zentrum, das die Post in Lissabon aufbaut.

«Nearshoring» in Portugal

Im vergangenen September schuf die Post rund 200 Arbeitsplätze auf ihrem IT-Campus in Lissabon und verhängte gleichzeitig einen Einstellungsstopp für den IT-Bereich in der Schweiz. Dominik Dietrich stellt jedoch das damals gemachte Versprechen der Post in Frage, in der Schweiz keine Entlassungen vorzunehmen. «Die Post hatte diese Verlagerung mit einem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften begründet. Wenn nun IT-Stellen in der Schweiz bedroht sind, muss sie ihre Strategie anpassen.» Die IT-Arbeit ist für den öffentlichen Dienst, die Datensicherheit und die IT-Infrastruktur der Post von entscheidender Bedeutung. Für Dominik Dietrich ist deshalb klar: «Die Post-IT muss in der Schweiz bleiben. Das heisst, der Standort in Portugal muss geschlossen und die dort geschaffenen Stellen zurück in die Schweiz geholt werden.»

Nun gab die Post bekannt, dass sie den geplanten Ausbau ihres Rechenzentrums in Lissabon bis auf Weiteres aussetzt. Diese Entscheidung überzeugt die Gewerkschaft nicht: «Die Auslagerung nach Portugal darf nicht nur ausgesetzt, sondern muss gestrichen werden. syndicom fordert, dass die Post die Arbeitsplätze in die Schweiz zurückholt. Für ihre digitale Zukunft braucht die Post Personal. Sie muss das Know-how erhalten, anstatt Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern», so Dietrich.

Verunsicherte Mitarbeitende

Bei ersten Gesprächen zwischen syndicom und den betroffenen IT-Angestellten machte sich Unmut breit. «Wir wussten, dass die Verlagerung nach Portugal nur der Anfang einer Umstrukturierung war. Die Post kommuniziert intransparent und baut derweil weiter unseren Dienst ab», erklärte einer der Teilnehmer. Frust und Unsicherheit unter den Post-IT-Mitarbeitenden sind also gross und die angekündigte Neuausrichtung bereitet Existenzängste. Langjährige Mitarbeitende, die in den letzten Jahren beispielsweise keine gezielten Weiterbildungen erhielten, merken nun, dass sie womöglich auf dem Abstellgleis landen könnten. Besonders belastend ist dabei die beinahe endlos wirkende Zeitspanne zwischen der Ankündigung der Reorganisation und der effektiven Bekanntgabe der Stellenverluste. Die aktuelle Situation gleicht einem Sesseltanz: Solange die Musik spielt, bleiben alle in Bewegung. Erst wenn sie verstummt, wird sichtbar, dass nicht für alle ein Platz vorhanden ist.

Fabio Wihler, Regionalsekretär Logistik, der die Kolleg:innen in Bern begleitet, stellt fest:

Fabio Wihler

Gerade diese anhaltende Unsicherheit erschwert auch gewerkschaftliches Engagement. Wer nicht weiss, ob der eigene Platz gefährdet ist, bewegt sich zur laufenden Musik oft besonders vorsichtig, angepasst und unauffällig – aus Angst, Angriffsfläche zu bieten oder sich zu exponieren.

So entsteht ein zunehmend angespanntes Umfeld, in dem sich manche besonders konzernloyal und umsetzungsstark zeigen, um nicht selbst ins Abseits zu geraten. Doch gerade diese Personen können bei der nächsten Reorganisation ebenfalls betroffen sein.

KI ersetzt Arbeitsplätze

Die Umstrukturierungen stehen noch in der Anfangsphase. Eine starke Antwort der Gewerkschaften ist deshalb gerade jetzt von entscheidender Bedeutung. Für syndicom darf sich die unternehmerische Reaktion auf den Wandel der Arbeitswelt im Zuge der digitalen Transformation nicht auf einen blossen Personalabbau beschränken. «Die Betroffenen müssen rechtzeitig informiert und begleitet werden und von gezielten Weiterbildungs- und/oder Umschulungsmassnahmen profitieren, damit sie in Bereichen eingesetzt werden können, in denen noch Personal benötigt wird. Wir wollen Weiterbildungsmöglichkeiten statt eines stillen Abbaus», fordert Fabio Wihler.

Vorzeitige Pensionierungen werden zwar angeboten, aber darüber hinaus müssen weitere Massnahmen ergriffen werden. «Es ist nicht glaubwürdig, einen Personalabbau in den operativen Bereichen vorzusehen und gleichzeitig die übergeordneten Hierarchiestrukturen unverändert zu lassen. Die Post fordert Effizienz – sie muss dies auch auf Führungsebene ernst nehmen», hält Dominik Dietrich abschliessend fest. 

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