Ein Entscheid mit bitterem Nachgeschmack

Kurz vor Auffahrt erhielten wir von der Swisscom den Newsletter «Piazzetta 2/26» mit dem Titel „Gemeinsam für eine starke Swisscom”.

Leider überbrachte der Newsletter für uns Pensionierte eine schlechte Nachricht:
die „Anpassung bei der Finanzierung von Anlässen”.
Eigentlich hätte es
„Einstellung bei der Finanzierung von Anlässen”
heissen müssen.

Swisscom – Mitteilung: Anpassung bei der Finanzierung von Anlässen

Die Nachricht hat grosse Enttäuschung ausgelöst. Die Anlässe waren nie einfach nur gesellige Treffen. Sie waren ein Zeichen dafür, dass die ehemaligen Mitarbeitenden weiterhin geschätzt und als Teil der Unternehmenskultur wahrgenommen werden.

Swisscom kann sich höhere Dividenden leisten

Im gleichen Newsletter lesen wir «Gute Performance im ersten Quartal – Höherer Operating Free Cash Flow».

Gute Performance im ersten Quartal 2026

Wir lesen, dass der Operating Free Cash Flow angestiegen ist und die Swisscom ihre Position als bevorzugte Wahl der Kundinnen und Kunden gefestigt hat. Zum Schweiz-Geschäft lesen wir, dass der Operating Free Cash Flow um 7,7% auf 478 Mio. CHF gestiegen ist. Dieser Operating Free Cash Flow ist bereits von 2024 bis 2025 im Segment Schweiz angestiegen.

An der letzten GV der Swisscom wurde die Dividende um 4 Franken erhöht und eine weitere Erhöhung in Aussicht gestellt. Dies zeigt, dass es der Swisscom finanziell hervorragend geht.
Ist es das Ziel, jedes Jahr die Dividende zu erhöhen?  

Die Position der Swisscom zur Dividende: Sie verfolgt eine Dividendenpolitik mit hohen, nachhaltigen und wachsenden Dividenden, die mit der Entwicklung des Free Cash Flows einhergehen.

Der CEO hat entschieden, dass auch die Pensionierten der Swisscom einen Beitrag leisten müssen, damit der Operating Free Cash Flow weiter gesteigert werden kann.

Das Unternehmen befindet sich in einer ausgezeichneten wirtschaftlichen Lage. Vor diesem Hintergrund ist die Entscheidung, ausgerechnet bei den Pensionierten zu sparen, umso weniger nachvollziehbar. Die Kosten für die bisherigen Anlässe sind im Vergleich zu den Dividendenausschüttungen unbedeutend.

Hier wird am falschen Ort gespart. Während die Aktionäre vom wirtschaftlichen Erfolg profitieren, werden diejenigen nicht honoriert, die mit ihrer Arbeit, ihrem Wissen und ihrem Engagement über Jahrzehnte hinweg wesentlich zu diesem Erfolg beigetragen haben.

Gerade deshalb schmerzt diese Entscheidung besonders. Er vermittelt den Eindruck, dass finanzielle Kennzahlen heute wichtiger sind als Respekt, Anerkennung und gelebte Verbundenheit. Wer jahrzehntelang zum Erfolg beigetragen hat, erwartet keine Privilegien, aber Wertschätzung und einen fairen Umgang.

Der Mensch gerät aus dem Blick, wenn der Shareholder Value alles bestimmt

Dieser Entscheid steht beispielhaft für eine Entwicklung, die viele Mitarbeitende seit Jahren beobachten. Für das Management zählt nur noch der Gewinn, da es unmittelbar von höheren Dividendenausschüttungen profitiert. Offensichtlich wird der Shareholder Value zum wichtigsten Massstab.

Alles, was keinen unmittelbaren finanziellen Nutzen bringt, wird hinterfragt oder gestrichen. Menschliche Werte und soziale Verantwortung geraten dabei zunehmend in den Hintergrund.

Für viele Pensionierte ist dies ein bedrückendes Signal. Denn ihre Verbundenheit mit dem Unternehmen beruhte stets auch auf gegenseitigem Respekt sowie dem Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein.

Bedeutung der Pensionierten-Anlässe

Die Pensionierten haben in guten wie in schwierigen Zeiten Verantwortung übernommen. Sie haben Veränderungen mitgetragen, Belastungen akzeptiert und sich loyal für das Unternehmen eingesetzt. Viele von ihnen haben einen grossen Teil ihres Berufslebens in den Dienst dieser Firma gestellt.

Die bisherigen Treffen waren für viele ehemalige Mitarbeitende sehr wertvoll. Sie ermöglichten Begegnungen, Austausch und den Erhalt von Kontakten zu Kolleginnen und Kollegen auch nach dem Berufsleben.

Vor allem aber waren diese Anlässe ein Zeichen der Anerkennung. Sie zeigten, dass die Verbindung zum Unternehmen bestehen bleibt und die Leistungen der ehemaligen Mitarbeitenden nicht vergessen sind.

Mit der Einstellung der Finanzierung dieser Veranstaltungen verschwindet genau dieses Zeichen. Viele Pensionierte empfinden dies als mangelnde Wertschätzung ihrer Lebensleistung.

Offener Protestbrief an den CEO

Wir Pensionierte syndicom wollen diesen Entscheid nicht stillschweigend hinnehmen. Deshalb protestieren wir mit einem offenen Brief beim Swisscom-CEO Christoph Aeschlimann. Er ist für diese Sparmassnahme verantwortlich.

Grosser Unmut: Diese Sparmassnahme ist der falsche Weg

Auf unseren am 22. Mai 2026 versandten NL mit dem Betreff ‘ Sparen am falschen Ort: Swisscom streicht die Pensioniertenanlässe’ haben wir nur zustimmende Feedbacks erhalten.

Die Reaktionen sind eindeutig: Die Streichung der Finanzierung der Veranstaltungen für Pensionierte stösst auf grosses Unverständnis. Die Pensionierten fühlen sich nicht geschätzt und kritisieren, dass ausgerechnet bei ihnen gespart wird. Die offizielle Begründung wird als wenig glaubwürdig empfunden. Die Rückmeldungen zeigen auch Enttäuschung über eine Unternehmenspolitik, die Profit über Wertschätzung und Verbundenheit stellt. Der Protestbrief wird einhellig unterstützt und als wichtiges Zeichen des Respekts gegenüber den ehemaligen Mitarbeitenden begrüsst.

Das Antwortschreiben des CEO Swisscom vom 28. Mai 2026

Vorstandssitzung 11. Juni 2026

An der Vorstandssitzung der Pensionierten syndicom vom 11. Juni wurde das Antwortschreiben des Swisscom-CEO eingehend diskutiert. Es wird anerkannt, dass die Swisscom einen persönlichen Austausch in dieser Sache anbietet, den wir wahrnehmen wollen.

In seinem Schreiben bekundet der CEO Swisscom die Wertschätzung für die ehemaligen Mitarbeitenden und erläutert die Hintergründe dieser Sparmassnahme. Trotzdem sieht der Vorstand keinen Grund, seine Einschätzung zum Umgang des Swisscom-Managements mit den Pensionierten zu revidieren.
Jede Wertschätzung kostet, doch das kann sich die Swisscom leisten.

Ein Vorstandsmitglied fragt: „Was ist wichtiger?” Die Aktionäre oder die (ehemaligen) Mitarbeitenden?”

Welche Werte gelten noch?

Der Umgang mit ehemaligen Mitarbeitenden sagt viel über die Werte eines Unternehmens aus. Gerade in wirtschaftlich erfolgreichen Zeiten zeigt sich, ob Respekt und Anerkennung tatsächlich gelebt werden oder nur finanzielle Ziele zählen.

Wer die Leistung der Pensionierten nicht würdigt, wird dies auch bei den aktuellen Mitarbeitenden nicht tun.

Wie glaubwürdig ist ein Unternehmen, das von Loyalität und Verbundenheit spricht, aber bei der Wertschätzung seiner ehemaligen Mitarbeitenden spart?

Pensionierte syndicom

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