KI verändert die ICT-Arbeit deutlich: Mitarbeitende fordern Mitsprache, Weiterbildung und Schutz
Eine neue Studie von Ecoplan im Auftrag von syndicom zeigt: Künstliche Intelligenz (KI) ist im Arbeitsalltag der ICT-Branchen längst angekommen. Die betroffenen Arbeitnehmenden berichten zwar von Unterstützung bei der Arbeit, gleichzeitig aber auch von höheren Anforderungen, zunehmender Arbeitsintensität, Unsicherheit und wachsendem Druck.
Die Umfrage zeigt, dass KI aktuell vor allem einzelne Tätigkeiten verändert, nicht ganze Berufe. Fachwissen, Urteilsfähigkeit und kontinuierliches Lernen bleiben entscheidend. Viele Befragte wünschen sich mehr Weiterbildungsmöglichkeiten, transparente Informationen zu Chancen und Risiken von KI sowie einen stärkeren Einbezug in die Gestaltung des technologischen Wandels.
Für ICT-Zentralsekretärin Carol Ghiggi ist klar:
Der Einsatz von KI muss sozialverträglich erfolgen und die Interessen der Arbeitnehmenden ins Zentrum stellen.
Neue Forderungen auf Basis der Studie
Aus den Studienergebnissen leitet die Gewerkschaft folgende Forderungen ab: Starke Mitwirkungsrechte bei der Einführung von KI, Schutz von Arbeitsplätzen, Arbeitszeitverkürzung und faire Arbeitsbedingungen, verbindliche Datenschutzregeln, klare Regelung der Verantwortung für KI-Fehler, ein Recht auf Aus- und Weiterbildung sowie die Beteiligung der Arbeitnehmenden an den Produktivitätsgewinnen durch Digitalisierung und KI.
KI darf nicht nur den Unternehmen nutzen. Die Arbeitnehmenden, die den digitalen Wandel mittragen, müssen über ihre Arbeitsbedingungen mitbestimmen können und fair von den erzielten Effizienzgewinnen profitieren.
Tagung schafft gegenseitiges Verständnis
Am Freitag hat syndicom die Auswirkungen von KI auf die Arbeit in den ICT-Branchen mit Vertreter:innen von Swisscom, Sunrise und Microsoft an einer Tagung in Bern diskutiert. Einigkeit besteht darüber, dass angesichts der derzeit fehlenden gesetzlichen Regelungen und des Impakts von KI der konstruktive Austausch unter Sozialpartnern essenziell ist, um die nötigen betrieblichen Regelungen festzulegen und um eine klare Kommunikation in den Betrieben zu gewähren.
Swisscom setzt KI nach klaren Datenschutz-, Ethik- und Governance-Grundsätzen ein und legt Wert auf Transparenz gegenüber Kund:innen und Mitarbeitenden. Weil KI Aufgaben wie auch Berufsbilder verändert, setzt Swisscom auf Weiterbildung, Umschulung und einen sozialverträglichen Übergang, damit Mitarbeitende die Transformation aktiv mitgestalten können.
Anne-Thérèse Morel, Head of B2O Operations & Executive Vice President at Swisscom B2B
KI entfaltet ihren grössten Mehrwert dort, wo Menschen den Mut und die Kompetenz haben, Neues auszuprobieren. Deshalb schaffen wir bei Sunrise die Voraussetzungen, damit unsere Mitarbeitenden Technologien eigenständig testen, smarter arbeiten und neue Potenziale erschliessen können. Neben adäquaten Tools und gezielten Trainings ist vor allem die Entwicklung eines kritischen Urteilsvermögens entscheidend: Die Fähigkeit, Ergebnisse zu hinterfragen, ihre Belastbarkeit zu prüfen und sie verantwortungsvoll in die Praxis zu übertragen, macht den Unterschied.
Andreas Gertsch, Vice President Consumer Platforms, Sunrise