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Arbeitszeitreduktion und Recht auf Unerreichbarkeit

In Frankreich debattieren die Gewerkschaften anhand des sogenannten «Mettling-Berichts» ihre Thesen zur Digitalisierung. 

2015 erhielt Bruno Mettling, Personalchef bei Orange France, von der Regierung den Auftrag, die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeit zu untersuchen. Auch die verschiedenen Gewerkschaften konnten zum sogenannten «Mettling-Bericht» Stellung nehmen. Dabei zeigte sich, dass es viele gemeinsame Forderungen gibt: Schaffung von Arbeitsplätzen, Unternehmensberatung zu digitalen Strategien, Einbeziehung der Arbeitnehmenden in strategische Entscheidungen, Vertraulichkeit und Schutz der persönlichen Daten, Aushandlung von Vereinbarungen zum «digitalen Nomadentum». Es gibt aber auch Unterschiede.

Die CGT führt – angesichts der rasanten Zunahme der unerfassten Arbeitszeit von qualifizierten Arbeitnehmenden – eine Kampagne für das Recht auf Unerreichbarkeit. Im Fokus steht auch der Kampf für die Verringerung der Wochenarbeitszeit auf 32 Stunden, und zwar ohne Lohneinbussen. Laut CGT ist es dringend notwendig, «weniger zu arbeiten, um besser arbeiten und allen Arbeit geben zu können». Mit der Verringerung der Arbeitszeit werde auch der massiven Digitalisierung vorgegriffen. Neue Arbeitsplätze gebe es, «wenn die digitale Revolution mit einer massiven Verkürzung der Arbeitszeit verknüpft wird».

Strategische Mitsprache

Nach Ansicht der CFDT ist es wichtig, «die Arbeitskräfte unverzüglich für die Berufe von morgen auszubilden und die Teams zu schulen, damit sie die Strategien ihrer Betriebe hinterfragen können».

Gemäss Force Ouvrière (FO) müssen «kollektive und individuelle Schutzmechanismen errichtet werden, damit sich das Privatleben wieder klar vom Berufsleben abgrenzen lässt». Éric Péres, Generalsekretär von FO Kader, warnt: Im Gegenzug zum Recht auf Unerreichbarkeit «könne der Arbeitgeber in den Phasen der Erreichbarkeit aufdringlicher werden. Denn er wird die Arbeitnehmenden überwachen, kontrollieren und die Produktivität messen wollen. Wichtig ist das Recht auf Ruhezeiten und auf eine gewisse Intransparenz, auch in Zeiten der Erreichbarkeit.»

Sud bleibt wachsam gegenüber den digital bedingten Veränderungen, mit denen «man neue Angriffe auf das Arbeitsrecht rechtfertigen wird». Sud stellt fest, dass «der Rückgriff auf Soloselbständige und prekäre Arbeitsverhältnisse für die Unternehmen zu einer grossen Versuchung wird». Die Gewerkschaft plädiert für ein garantiertes Recht auf Unerreichbarkeit statt einer «Verantwortungspflicht der Arbeitnehmenden». Produktivitätsgewinne sollen auch den Arbeitnehmenden zugute kommen.

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