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Das Posthorn bläst zum Angriff

Ende Oktober hat die Post gemeldet, dass sie fünf- bis sechshundert der verbliebenen 1400 Filialen auch noch schliessen will. Päckli kann man dann in der Migros abgeben. Auch bei PostFinance werden 500 Menschen überflüssig gemacht, derweil die Post-Führung mit Drohnen und Robotern spielt. Das ist eine Kampfansage. syndicom stellt sich darauf ein. 

Von den 4500 Postschalter-Angestellten sind 1200 betroffen. Der Widerstand gegen die Schliessungen wächst jetzt aber nicht nur beim Personal, sondern auch bei den betroffenen Gemeinden. In der gleichen Medienmitteilung wurden auch Umbauten in der Zentrale angekündigt. Wie viele Stellen davon betroffen sein werden, bleibt unklar.

Anfangs November folgte dann der nächste Schock. Bei PostFinance stehen riesige Umbauten an. Ob und wie die Belegschaft in diesen Umbauten integriert und mitgenommen wird, ist unklar. Die «Handelszeitung» mutmasst, dass rund 500 Stellen und damit jeder siebte Arbeitsplatz betroffen sein könnte.

syndicom ist in beiden Fällen aktiv geworden, um den offenen Angriff auf die Arbeitsbedingungen und den Service public abzuwehren. Daniel Münger, Sektorleiter Post und Logistik, bezieht Stellung und beschreibt, wie das Verhalten der Post die gewerkschaftliche Zusammenarbeit verändern wird.

syndicom: Ende Oktober gab die Post bekannt, dass sie von den jetzt rund 1400 Poststellen 500 bis 600 schliessen will. Ein Schock?

Daniel Münger: Ja und nein. Ja, weil einmal mehr die Belegschaft für Missmanagement an der Spitze bezahlen soll. Nein, weil bei der heutigen Ausrichtung von Poststellen und Verkauf eigentlich nichts anderes zu erwarten war.

Was wirfst du der Post-Führung konkret vor?

Die Strategielosigkeit. Die Post-Führung überlegt nicht, welchen Service public sie künftig anbieten könnte und welche neuen Geschäftsfelder damit verbunden sind, sondern nur, wie sich bestehende Dienstleistungen auslagern lassen oder wie sie kostengünstiger oder gar nicht mehr erbracht werden können. Wir befürchten, dass das Vorgehen im Bereich Poststellen und Verkauf nicht isoliert bleiben wird, sondern auch in weiteren Bereichen durchgezogen werden soll. Das zeichnet sich bereits ab.

1200 Mitarbeitende könnten davon betroffen sein. Was bedeutet das für diese Personen?

Bei den Betroffenen löst das natürlich Existenzängste aus. Zudem ist bei vielen auch eine Enttäuschung darüber zu spüren, dass sie trotz grossem Einsatz für ihre Arbeit nun einfach abgeschoben werden sollen. Ein grosser Teil der Belegschaft identifiziert sich sehr mit ihrem Unternehmen und ist stolz, am Service public für die Schweizer Bevölkerung mitzuwirken.

In den vergangenen 15 Jahren wurde die Zahl der Poststellen bereits um mehr als die Hälfte reduziert. Ist die Poststelle nicht einfach ein Auslaufmodell?

Ohne zukunftsgerichtete Strategie wird dies so sein, aber es muss nicht so sein.

Welche Zukunft hat eine Poststelle in der digitalisierten Welt?

Mit einer guten Strategie, gepaart mit einem inhaltlich guten Angebot und in Kombination mit weiteren Service-public-Leistungen kann die Poststelle der Zukunft ein Erfolgsmodell sein.

Inwiefern steht die Post in der Verantwortung dem Personal gegenüber?

In unserem digitalen Zeitalter wird es immer Veränderungen geben. Firmen wie die Swisscom machen teilweise vor, wie man damit umgehen kann. Es gilt, ein sogenanntes Change-­Management aufzubauen: Die Mitarbeitenden müssen in den Veränderungsprozess mitgenommen werden und ihn aktiv mitgestalten können. So können sie zum Beispiel mitentscheiden, welche Aus- und Weiterbildungen gebraucht werden, damit sie für den Wandel gerüstet sind. Wenn man sich als sozialer Arbeitgeber betitelt, dann ist das das Mindeste, was man tun kann.

Wurde syndicom vor der Bekanntgabe der Schliessungspläne einbezogen?

Wir wurden in absolut skandalöser Art und Weise informiert, nämlich zum gleichen Zeitpunkt wie die Medien. Dieses unkooperative Verhalten ist ein absolutes Novum.

Was bedeutet das für syndicom, für die weitere Zusammenarbeit in der Sozialpartnerschaft?

Beim Fussball würde man von einem groben Foul reden, das zwingend mit der roten Karte geahndet werden muss. Das Strafmass werden wir mit unseren Mitgliedern zusammen bestimmen. Dabei geht es aber nicht um ein Revanche-Foul, sondern einfach darum, dass wir nun davon ausgehen müssen, dass die Post eine weniger enge Sozialpartnerschaft wünscht. Wegen der Kampfansage der Post müssen nun auch wir unsere Taktik anpassen.

Der Sektor Post und Logistik beantragt der syndicom-DV die Öffnung des Aktions- und Kampffonds. Was bedeutet das für die weitere Kampagne?

Der Sektor wertet die Ausrichtung der Post als Angriff auf die Arbeitsbedingungen und die Arbeitsplätze im gesamten Konzern. Also nicht nur bei Poststellen und Verkauf, sondern auch bei Postlogistik, Postfinance oder im Overhead. Deshalb werden wir, vorbehältlich dem DV-Entscheid, weder Mittel noch Aufwand scheuen.

Die Post hat angekündigt, auf die Kantone, Gemeinden und die Bevölkerung «zuzugehen». Dieser Einbezug ist doch begrüssenswert?

Nein. Das ist der Versuch, die Verantwortung für Poststellen-Schliessungen an die Kantonsregierungen zu delegieren. Das werden die RegierungsrätInnen und Kantonsparlamente hoffentlich genug früh merken und sich einschalten. Politik, Bevölkerung und Gewerkschaft müssen den Abbau des Service public gemeinsam bekämpfen und definieren.

Wie könnte sich denn jetzt die Politik einschalten?

Indem sie syndicom unterstützt und ein Moratorium für die Poststellen-Schliessungen durchsetzt. Diesen Raum benötigt die Schweiz, um gemeinsam die Poststelle der Zukunft und die dort angebotenen Postdienstleistungen zu entwickeln. Eine Verantwortung, die eigentlich die Post-Führung übernehmen müsste. Aber die vergnügt sich offenbar lieber mit Drohnen, Robotern und betriebswirtschaftlichen Experimenten.

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