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Zum Tod von André Daguet, 1947 - 2015

In der Nacht auf den 1. Mai 2015, gleichsam als hätte er der Regie Anweisung gegeben, ein letztes Zeichen zu setzen, ist André Daguet, das linke Urgestein, gestorben.

© Edouard Rieben/SGB

André Daguet war 1980 Mitbegründer und bis 1986 Zentralsekretär von Amnesty International Schweiz; dann amtete er 10 Jahre lang als Generalsekretär der SP Schweiz. Zusammen mit Präsident Peter Bodenmann bildete Daguet ein Dreamteam: Der Präsident füllte vif die Rolle des Turbos nach vorne, dem Generalsekretär war die Aufmunterung und Mitnahme der – zuweilen überraschten – Truppen zubedacht. 1993, als die Bürgerlichen Christiane Brunner bei der Bundesratswahl mit einer Schlammschlacht ausbooteten, gelang dem Duo in einer bewegten Woche mit der Kür von Ruth Dreifuss ein Bravourstück. 1996 wechselte Daguet zur Gewerkschaft SMUV, wo er (ab 2005 dann bei der Nachfolgeorganisation Unia) bis zur ordentlichen Pensionierung, 2009, Mitglied der Geschäftsleitung war. Wiederum als second man, zuerst an der Seite von Christiane Brunner, dann an derjenigen von Renzo Ambrosetti, gehörte André Daguet zu den Architekten der Unia, des Zusammenschlusses der vormaligen Gewerkschaften GBI, SMUV und VHTL. Als langjähriger Präsident des Verwaltungsrates war er operativ mitverantwortlich für die Zeitung work, eines der Fusionsprojekte. Desgleichen war er erster Präsident von Movendo, dem 2001 neu organisierten Bildungsinstitut der SGB-Gewerkschaften und blieb auch dies bis zu seiner Pensionierung.

Als Gewerkschafter stand André immer in vorderster Reihe: Sprudelnd vor Ideen, ruderte er sich vorwärts – aber das dennoch mit viel Bodenhaftung und büezernahem Engagement. So verstand er auch sein Amt als Nationalrat, das er von 2003 bis 2011 ausübte, bis zu einem, wie er sagte, „nur mit sehr viel unerklärlichem Glück und der Hilfe von 1000 Engeln überlebten“ Herzstillstand. Gesundheitsbedingt musste er nun zwei Gänge zurückschalten, aber noch in den letzten Wochen, schon lange ans Krankenbett gefesselt, nicht mehr fähig zu sprechen und sich deshalb nur mehr auf Tastaturen ausdrückend, schrieb er eine Erst-Mai-Rede und wollte sein Buchprojekt zur neuesten Geschichte der Linken in diesem Land voranbringen. Dieses Buch konnte er nun nicht mehr schreiben. Den Nachlebenden mag das Wissen, dass er seinerzeit ein paar Kapitel dieser Geschichte mitgestaltet hat, Trost bedeuten. 

(Ewald Ackermann, SGB)

Rede von Paul Rechsteiner anläslich der Trauerfeier

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