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Nein zur Initiative «Der Kunde ist König»

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Kundgebungen in Zürich und Winterthur vom 7.6.2012

Am 17. Juni entscheiden die Stimmberechtigten im Kanton Zürich über eine FDP-Initiative, welche die vollständige Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten im gesamten Kanton anstrebt. Hauptargument der Initianten: Der gesellschaftlichen Entwicklung und den Bedürfnissen der Konsumenten müsse Rechnung getragen werden.

syndicom will keine Gesellschaft, in der Männer und Frauen nur noch Kunden sind. Ihre 45 000 Mitglieder in der Schweiz möchten sich vielmehr für eine Welt einsetzen, in der die Konsumentinnen und Konsumenten in erster Linie Bürgerinnen und Bürger sind, die sich ihrer Rechte, aber auch ihrer Aufgaben bewusst sind.


syndicom –die Gewerkschaft unter anderem der Pöstlerinnen und Pöstler, der Buchhändlerinnen und Buchhändler, der Angestellten der Swisscom-, Orange- und Sunrise-Shops – setzt sich aktiv gegen die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten ein.

Warum sind die BuchhändlerInnen gegen die Vorlage?
Der Druck auf den Buchhandel und die Angestellten wurde mit der Ablehnung des Buchpreisbindungsgesetzes verstärkt. Mit dem liberalisierten Buchmarkt drohen dem Personal schlechtere Löhne und Anstellungsbedingungen. Eine weitere Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, die eine Flexibilisierung der Ladenöffnungszeiten zweifellos mit sich bringt, wird diese Entwicklung noch verschärfen.


Für die kleineren und mittleren Buchhandlungen wird es sich äusserst schwierig gestalten, im Wettbewerb mit den verlängerten Öffnungszeiten mithalten zu können. Eine Flexibilisierung der Ladenöffnungszeiten leistet dem Strukturwandel im Detailhandel (vergl. Studie des Seco zu den Volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Ladenöffnungszeiten) und insbesondere im Buchhandel Vorschub. Das heisst, die Umsätze verlagern sich weg von den kleinen Buchhandlungen hin zu den Grossbuchhandlungen.


In den Buchhandlungen wird aufgrund von verlängerten oder flexibilisierten Ladenöffnungszeiten nicht mehr Personal eingestellt, sondern Schichten ausgedünnt und Zimmerstunden eingeführt werden. Die Personaldecke wird so dünner und die Arbeitsbelastung für die einzelnen Beschäftigten wird noch grösser.

Warum sind die Angestellten der Swisscom-, Orange und Sunriseshops gegen die Vorlage?
Stets zu ihren Diensten – nein, das ist nicht nötig! Die Telekommunikationsfirmen haben sehr gut ausgebaute Service-Hotlines, die die Kunden rund um die Uhr kompetent beraten können. Aus diesem Grund ist es auch hier nicht nötig, die Öffnungszeiten der Swisscom-, Orange- und Sunrise-Shops zu liberalisieren. Diese Service-Hotlines, welche 7*24-Stunden den KundInnen zu Diensten stehen, decken die Notfälle zu genüge ab, auch ausserhalb der Shop-Öffnungszeiten.


Das Bedürfnis Weniger, zu später Stunde shoppen zu gehen und Kommunikationselektronik auszuprobieren und eventuell kaufen zu wollen, darf nicht auf dem Buckel des Verkaufspersonals befriedigt werden. Ausserdem fehlen diese Kunden dann zu den normalen Öffnungszeiten, weil der Verkaufsumsatz nicht grösser wird.

Warum sind die PöstlerInnen gegen die Vorlage

Auf Poststellen ist es jetzt bereits so, dass Teilzeitangestellte sehr flexibel eingesetzt werden. So kann eine Teilzeitangestellte mit einem 50%-Pensum heute an fünf oder gar an sechs Tagen zum Einsatz kommen. Die Einsätze ändern sich häufig kurzfristig, da die Teilzeitangestellten einspringen müssen, um eine kranke KollegIn zu ersetzen oder Umsatzspitzen abzudecken.


Eine Planung des Privatlebens wird so zunehmend schwierig. Frauen mit Betreuungspflichten sind davon besonders betroffen, aber auch Teilzeitangestellte ohne Familie haben ein Recht auf ein planbares Privatleben.


Der Druck beschränkt sich nicht auf die Poststellen, betroffen sind auch nachgelagerte Dienste. Transport von Gütern und die Briefverarbeitung verschieben sich gegen Abend; in den Briefzentren wird mehr Personal für die Nachtschicht eingesetzt, da Briefe später angeliefert werden.

Aus diesen Gründen lehnt syndicom die Initiative, über die am 17. Juni im Kanton Zürich abgestimmt wird, mit Nachdruck ab und wird sich auch gegen alle anderen Bestrebungen zur Schwächung des Arbeitsgesetzes einsetzen.

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