Interview mit Karin Steinmann

«Ich muss flexibler sein - auf Kosten meiner Freizeit»

Karin Steinmann arbeitet in Teilzeit als Kundenberaterin bei PostNetz. Im Interview berichtet sie, wie die Dienstplanung ihr Privatleben beeinflusst und weshalb Loyalität unter den Arbeitskolleg*innen hoch geschrieben wird.

Wie sieht deine Arbeitswoche aus?

Mit einem Pensum von 80% arbeite ich jeweils Montag bis Freitag meistens von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 18 Uhr. Samstagseinsätze gehören 2x pro Monat dazu. Aber da muss ich flexibel bleiben. Es kann schon vorkommen, dass ich 3-4 Samstage hintereinander eingeplant bin. So komme ich mit meinem 80% Pensum regelmässig auf eine 6-Tage Woche. Und der fixe freie Tag, der mir als Teilzeitangestellte zustehen sollte, gibt es nicht mehr einfach so. Ansonsten müssten meine Arbeitskolleg*innen in die Bresche springen – das will ich nicht, wir sind loyal zueinander. Aber es hat sich schon einiges verändert.

Was genau hat sich verändert?

Auf meiner Poststelle sind wir weniger Personal. Eine 100% Stelle wurde vor einem Jahr gänzlich gestrichen. Wir müssen also flexibler sein. Von Arbeitskolleg*innen höre ich, dass deren Einsatzpläne fast täglich ändern. Manchmal erfahren sie am Vorabend, auf welcher Poststelle und zu welcher Zeit sie am nächsten Tag arbeiten. Man kontrolliert am Vorabend, wie der Einsatz am nächsten Tag sein wird. Auf die Einsatzplanung, die 2-3 Monate im Voraus kommt, kann man sich kaum verlassen. Diese Tendenz beobachte ich seit 5 Jahren.

Was bedeutet das für dein Privatleben?

Die Planung meiner Freizeit, die Teilnahme am sozialen Leben, ist schwierig. Ein Glück, dass ich keine betreuungspflichtige Kinder mehr habe – ich kann mir kaum vorstellen, wie das Eltern mit Betreuungsaufgaben meistern. Bis zu einem gewissen Grad will ich kooperativ sein. Aber die Grenzen sind eigentlich überschritten. Ich wollte eine Weiterbildung besuchen, was ja vom Arbeitgeber erwünscht wird, doch mit diesen Arbeitseinsätzen ist das quasi unmöglich.

Wie erklärst du dir den Wandel?

Natürlich verändert sich die Gesellschaft. Alles ist auf Abruf, vieles geschieht elektronisch. Das verstehe ich. Ich bin ja ein Teil dieser Entwicklung. Das setzt die Post unter Druck. Doch den Spardruck, gerade bei PostNetz, baden häufig wir Angestellte aus, indem von uns mehr Flexibilität verlangt wird. Das geht auf Kosten unserer Freizeit, der Gesundheit und schlägt auch auf die Motivation.

Was wünschst du dir?

Eigentlich mag ich meinen Beruf, den Kundenkontakt, die Abwechslung – ich bin seit vielen Jahren dabei. Doch es scheint mir, dass meine Arbeit weniger geschätzt wird. Wenn ich flexibler sein muss, dann möchte ich auch eine Gegenleistung dafür – aber die sehe ich nicht. Ich empfinde diese Entwicklung als sehr einseitig und sie geht zu Lasten der Angestellten.


Matthias Loosli / 6.11.19

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